Wenn man über die nordischen Länder spricht, tauchen oft dieselben drei Namen auf: Norwegen, Island und Finnland. Alle drei liegen im hohen Norden und sind bekannt für spektakuläre Landschaften – aber sie fühlen sich komplett unterschiedlich an. Während Norwegen mit dramatischen Fjorden beeindruckt und Island manchmal fast wie ein anderer Planet wirkt, fühlt sich Finnland im Winter ganz anders an: Ruhiger, weiter, voller Wälder. Wir haben alle drei Destinationen besucht und zeigen dir hier, wie sich diese Unterschiede vor Ort anfühlen.
Finnland: Wo plötzlich alles ein bisschen leiser wird
Unsere Redaktorin Nikola war im März in Finnisch-Lappland unterwegs und hat ziemlich schnell gemerkt, dass hier oben alles ein bisschen langsamer läuft. Kein Wunder, es ist auch alles so gross, so weit. Man fährt durch endlose Wälder, vorbei tausenden an zugefrorenen und durch riesige Nationalparks, die sich im Winter in eine ruhige Schneelandschaft verwandeln. In manchen Parks stehen diese berühmten Tykky Bäume – so dick mit Schnee bedeckt, dass sie wie riesige Marshmallows aussehen. Beim Skifahren traf sie Rentiere neben der Piste, die ihr dann auch gleich später mit einem netten «Hej» als Tagessuppe angeboten wurden (neben Lachs- oder Linsensuppe, natürlich). Ihr kulinarisches Highlight: heisser Beerensaft – der bei minus zwanzig Grad unglaublich gut schmeckt.

Ein Moment, der Nikola besonders geblieben ist, war eine Pause in einer kleinen Kota, diesen Holzhütten mit Feuerstelle in der Mitte. Draussen klirrende Kälte, drinnen brannte das Feuer. Sie hielt ein Würstchen über die Flammen und merkte plötzlich, wie still es eigentlich ist. Und später am Abend stand sie draussen im Schnee, schaute nach oben und plötzlich taucht dieses grüne Licht am Himmel auf. Erst ganz schwach. Dann stärker. Und plötzlich tanzen Nordlichter über Lappland. Es war dieser Moment, der sie realisieren liess: Ich stehe irgendwo mitten im finnischen Winter. Das alles fühlte sich ein bisschen unrealistisch an, und war deshalb umso schöner.




Norwegen: Abenteuer nördlich des Polarkreises
Dass selbst die dickste Schweizer Skibekleidung nicht mit der Kälte Nordnorwegens mithalten kann, musste mycation Redaktorin Jannina vergangenen November bei einem Trip nach Tromsø schnell feststellen. Kurzerhand ging es in der Innenstadt – die eher wie ein gemütliches Winterdorf wirkt als wie eine Stadt – auf spontane Winter-Shoppingtour.

Erst danach konnte das arktische Winterwunderland richtig erkundet werden, wenn auch meist im Dunkeln. Denn nördlich des Polarkreises wird es im Winter maximal zwei Stunden am Tag hell. Die Umstellung auf diesen völlig anderen Tagesrhythmus macht die Erfahrung besonders intensiv. Glück hatte Jannina dennoch: Auf ihrer Reise erlebte sie noch den letzten Sonnenauf- und -untergang, bevor die Region endgültig in die Polarnacht eintauchte.
Ausflüge zu Rentieren, auf die umliegenden Berge oder zu den beeindruckenden Fjorden Norwegens finden in dieser Zeit oft während der kurzen „Golden Hour“ oder im Dunkeln statt. Dass bereits im November so viel Schnee fallen kann, dass der Verkehr zeitweise komplett zum Stillstand kommt, hatte allerdings niemand erwartet. Die besondere Atmosphäre lud Jannina jedoch zum Entschleunigen ein – und hat ihr schnell das Gefühl gegeben, in einer ganz anderen Welt zu sein.
Da man sich zwischendurch immer wieder aufwärmen muss, kommt es gelegen, dass die Norweger:innen – genau wie Jannina – eine Schwäche für Leckereien haben: Zimtschnecken, Crêpes, Waffeln oder Krapfen sorgen zu jeder Tageszeit (oder besser gesagt: während der endlosen Nacht) für den perfekten Anlass, um sich in einer warmen Stube aufzuwärmen. Wer sich ausserdem für die Geschichte Norwegens oder die berühmte Troll-Tradition interessiert, findet in den Museen der Stadt neben einer Heizung auch spannende Einblicke in das Leben und die Geschichte Norwegens.



Island: Eine Reise in eine andere Welt
Abtauchen in eine andere Welt – fast wie in den Kulissen von Game of Thrones oder Interstellar. So fühlte sich der Besuch von Jannina vergangenen Sommer in Island an. Die Landschaften wirken, als wären sie nicht von dieser Welt und gleichen nichts, was man zuvor gesehen hat. Island hat sie überrascht und zwar im besten Sinne. Janninas Tipps für eine Island-Reise findet ihr hier.

Wer das Abenteuer wagt und einen Roadtrip rund um die Insel unternimmt, wird mit Eindrücken belohnt, die unbezahlbar sind. Allerdings sollte man für eine Reise nach Island auch ein entsprechend gut gefülltes Portemonnaie einplanen, denn die Preise haben es in sich.
Mit der Erwartung, vielleicht einen weiteren „überhypten“ Ort zu erleben, startete Jannina ihre zehntägige Reise – und wurde schnell eines Besseren belehrt. Ja, vor allem im Golden Circle drängen sich viele Touristen an den bekannten Naturattraktionen. Doch sobald man weiter um die Insel fährt, fühlt man sich plötzlich, als wäre man allein auf diesem Planeten. Im 15-Minuten-Takt verändert sich die Landschaft: Wasserfälle, Vulkane, Gletscher, schwarze Strände, tiefe Schluchten und sprudelnde Geysire ziehen vorbei und man kommt aus dem Staunen kaum heraus.
Fast ebenso schnell wie die Landschaft wechselt auch das Wetter. Nach langen Tagen im Wind und wechselhaftem Wetter gibt es kaum etwas Besseres, als in eine der heissen Quellen zu steigen. Überall im Land findet man natürliche Hot Pots oder moderne Thermalbäder. Während man im warmen Wasser sitzt, blickt man auf Lavafelder, Berge oder den Atlantik.
Wer die gesamte Ringstrasse in Island fahren möchte, sollte genügend Zeit einplanen, denn entlang der Strecke gibt es überall etwas zu entdecken. Das Autofahren wird hier schnell selbst zum Erlebnis. Wer noch mehr Abenteuer sucht, kann einen 4×4 mieten und auch das abgelegene Landesinnere auf Offroad-Strecken erkunden.




Welches Land in den Nordics ist perfekt für mich?
| Finnland | Norwegen | Island | |
|---|---|---|---|
| Landschaft | Tausende Seen, endlose Wälder und ruhige Natur | Dramatische Fjorde, hohe Berge und spektakuläre Küsten | Vulkane, Gletscher, Lavafelder, Wasserfälle und heisse Quellen |
| Nordlichter | Sehr gute Chancen im finnischen Lappland, z. B. in Glas-Iglus | Sehr gute Chancen in Nordnorwegen, besonders rund um Tromsø | Möglich, aber wetterabhängiger wegen Wolken |
| Kultur | Sauna-Kultur, Design in Helsinki, Sámi-Traditionen im Norden | Wikinger-Geschichte, Küstenstädte wie Bergen, moderne Kultur in Oslo | Sagas, Mythen und starke Verbindung zur Natur |
| Kosten | Teuer, aber meist günstiger als Norwegen und Island | Sehr teuer, besonders Restaurants und Alkohol | Am teuersten, vor allem Unterkünfte und Mietwagen |
| Autofahren | Einfach: lange, gerade Strassen und wenig Verkehr | Gute Strassen, aber Fjorde und Bergpässe können anspruchsvoll sein | Anspruchsvoll: wechselhaftes Wetter, Schotterstrassen, oft 4×4 nötig |
| Beste Reisezeit | Winter für Nordlichter und Schnee, Sommer für Seen und Mitternachtssonne | Sommer für Fjorde und Roadtrips, Winter für Nordlichter im Norden | Sommer für Roadtrips und Hochland, Winter für Nordlichter |



