Spanien war für mich lange vor allem eins: Sonne, Mittelmeer, Städtetrips. Barcelona, Sevilla, vielleicht noch Valencia. Dazu Tapas, Strand und ein Glas Sangría. Bis ich von Turespaña die Challenge bekommen habe, Spanien anders und bewusster zu entdecken. Die Recherche hat mein Bild von Spanien ziemlich durchgeschüttelt. Plötzlich waren da neue Städte und Bergdörfer, kleine Markthallen statt überlaufene Boulevards und raue Atlantikküste statt Strandpromenaden. Und eine Esskultur, die weit über Paella und Patatas Bravas hinausgeht.

Spanien ist weltberühmt für seine Klassiker. Völlig zu Recht. Aber wer das Land etwas näher, ruhiger und bewusster erleben will, muss nicht unbedingt dorthin, wo ohnehin schon alle sind. Hier kommen meine Tipps für ein Spanien abseits der bekannten Pfade.
Wie wäre es mit einer Nacht im Kloster?


Eine grosse Hotelkette ist bequem, klar. Aber sie sieht in vielen Ländern ähnlich aus. Wenn du einen Ort wirklich anders erleben willst, lohnt es sich, auch bei der Unterkunft anders zu wählen. Kleine, familiengeführte Häuser, Posadas oder Casas rurales machen oft einen riesigen Unterschied. Nicht nur, weil sie charmanter sind, sondern weil sie Nähe schaffen. Zur Landschaft, zum Ort, zu den Menschen.
In Spanien gibt es zudem eine Hotelkategorie, die fast schon ein Reisetipp für sich ist: die Paradores. Das sind Hotels in historischen Gebäuden wie Klöstern, Burgen oder Palästen, oft an Orten, an denen man sonst nie übernachten würde. Besonders schön klingt zum Beispiel der Parador de Santo Estevo in Galicien, ein ehemaliges Benediktinerkloster in der Ribeira Sacra. Oder der Parador de Cardona in Katalonien, eine mittelalterliche Burg im Hinterland.
Mein Tipp
Kleine familiengeführte Häuser findest du oft nicht auf den grossen Buchungsplattformen, oder nur teilweise. Es lohnt sich, nach «Casa rural», «Agroturismo» oder «Posada» plus Region zu suchen und direkt beim Haus anzufragen. Wer in einem kleinen Landgasthof oder einer Casa rural übernachtet, erlebt nicht nur eine andere Seite Spaniens. Gerade in ländlichen Regionen trägt Tourismus auch dazu bei, lokale Arbeitsplätze und regionale Produzent:innen zu unterstützen.
Eine kurze Karte ist oft die spannendere Wahl


In Spanien schaue ich inzwischen weniger darauf, wie gross die Auswahl ist, sondern darauf, was ein Restaurant besonders gut macht. Eine kleine Karte und saisonale Gerichte sind oft interessanter als zwanzig vermeintlich typisch spanische Klassiker auf einmal. Spannend wird es oft dann, wenn man bewusst über die bekannten Spezialitäten hinausschaut, und andere Dinge probiert. In Asturien etwa den Eintopf Fabada, den Käse Cabrales und Apfelwein Sidra, in Galicien Pulpo á feira, das Suppengericht Caldo Gallego oder Empanadas, in Murcia die Eierspeise Zarangollo.
Woran man ein gutes Lokal erkennt? An viel einheimischem Betrieb. Und am Menú del día, dem Mittagsmenü, das in ganz Spanien zum Alltag gehört. Meist gibt es mehrere Gänge, Brot, Getränk und manchmal sogar Kaffee oder Dessert zu einem erstaunlich fairen Preis.
Mein Tipp
Ich frage inzwischen fast überall nach dem, was gerade Saison hat oder was das Tagesgericht ist. Das ist die einfachste Frage überhaupt und damit landet oft etwas auf dem Tisch, das regionaler ist als die bekannten Klassiker.
Der Markt erzählt mehr als jedes Museum



Ich gebe es offen zu: Wenn ich im Ausland bin, gehe ich lieber auf einen Markt als in ein Museum. Nicht, weil Museen langweilig wären. Aber auf einem Markt bekomme ich innerhalb von zwanzig Minuten ein Gefühl dafür, wo ich eigentlich gerade bin. Was hier wächst, was gefischt wird, was selbstverständlich ist und was als besonders gilt.
Gerade in weniger touristischen Orten lohnt sich das besonders. Geh am Vormittag hin, am besten an einem Wochentag. Und schau, ob es in der Markthalle eine kleine Bar gibt. Oft isst du dort überraschend unkompliziert und direkt aus dem, was nebenan verkauft wird. Dafür eignen sich zum Beispiel der Mercado de Abastos in Santiago de Compostela, der Mercado Central in Valencia oder der Mercado de Triana in Sevilla. Nicht nur als schöne Kulisse, sondern als Orte, an denen man dem Alltag näher kommt und sein Geld in Produzent:innen aus der Umgebung investiert.
Mein Tipp
Märkte sind schon im Alltag spannend. Noch spannender wird es, wenn gerade ein Fest oder ein regionaler Anlass läuft. Auf der Website von Turespaña gibt es eine Übersicht über aktuelle Veranstaltungen. Ein Blick darauf, bevor du deine Daten fixierst, kann sich richtig lohnen.
Ein lokaler Guide zeigt dir, was Google nicht weiss

Man kann heute fast alles selbst recherchieren. Trotzdem gehört ein guter lokaler Guide für mich zu den unterschätztesten Dingen beim Reisen. Weil solche Begegnungen oft genau das öffnen, was man allein leicht übersieht.
Das kann eine Tour durch die Ribeira Sacra in Galicien sein, bei der du nicht nur schöne Aussichtspunkte siehst, sondern auch etwas über Klöster, Flusstäler und das Leben in der Region erfährst. Oder eine Erfahrung in Asturien, bei der man die lokale Milch- oder Sidreproduktion entdecken kann. Entscheidend ist für mich weniger das Programm als die Person, die erzählt. Wer vor Ort verwurzelt ist, zeigt oft die spannendere Seite eines Ortes.
Gut zu wissen: Wohin in Spanien?
Nordspanien ist gerade im Sommer eine spannende Alternative zur heisseren Mittelmeerküste. Für viele Regionen im Inland eignen sich Frühling und Herbst besser. Die Temperaturen sind angenehmer und Orte lassen sich entspannter erkunden.
Besonders gut für Slow Travel eignen sich Regionen wie Galicien, Extremadura oder La Rioja. Also Orte, an denen man nicht jeden Tag weiterziehen muss, sondern auch einfach mal bleibt, schaut, probiert und Umwege macht.
Lass Lücken und reis bewusster

Wir lieben es, Ferien zu planen. Zu takten. Social Media ist voll von «My 7-day Spain Itinerary» (mein 7-Tage Spanien-Programm). Aber Spanien lebt vom Dazwischen, das man nur findet, wenn man bewusster reist. „Bewusst reisen“ oder Slow Travel (weniger Spots, mehr Zeit an einem Ort) klingt schnell nach Verzicht. Nach weniger tun, statt all das erleben, worauf man sich freut. Dabei ist oft das Gegenteil der Fall.
Spanien kann natürlich Strandferien, Weltstädte und ikonische Sehenswürdigkeiten. Aber eben nicht nur. Wer dem Land ein wenig ausweicht, entdeckt oft genau das, was eine Reise am Ende besonders macht: Das Gefühl, etwas Eigenes gefunden zu haben. Es geht nicht darum, eher klassische Reiseziele schlecht zu reden, sondern Reisezeit und Region bewusster zu wählen und damit die Konzentration des Tourismus etwas zu entzerren.
Dieser Artikel entstand in Partnerschaft mit Turespaña.



