Vielleicht hast du deine Fellnase ganz frisch und überlegst, wann du ihr endlich die Welt zeigen kannst. Vielleicht hast du deinen Hund noch gar nicht, weisst aber, dass er bald einzieht und dass der erste Ausflug kommen wird. Vielleicht war die Reise sogar schon geplant, bevor klar war, dass du einen neuen Mitbewohner bekommst. So war es jedenfalls bei mir. Reisen mit Hund braucht mehr Planung, als eine Solo-Reise.
Ich habe mit meiner Hündin Zula das getan, was kein Ratgeber der Welt empfehlen würde: Drei Wochen, nachdem unser Tierschutzhund bei uns einzog, gingen wir über ein verlängertes Wochenende weg, in eine neue Umgebung, bei der sie Kindern, anderen Hunden und neuen Erwachsenen ausgesetzt sein würde. Es war ein Risiko. Diese Tipps hätte ich gerne vorher gewusst.

Tipp Nummer 1: In der Nähe bleiben
Auch wenn ITA Airways als erste Airline Hunden erlaubt, im Passagierraum mitzufliegen, wird es eine Weile dauern, bis bequemes Fliegen mit Hunden zur Normalität gehört. Somit grenzt sich der Radius einer Reise ein. Mit dem Auto muss man auch noch Pinkel- und Laufpausen einplanen und sollte sich auch bei der Reise mit dem Auto fragen: Wie lange hält mein Hund das da hinten im Kofferraum aus?
Unsere erste Reise würde ins Allgäu gehen. Von Zürich also nur zwei Stunden Fahrt. Ich bezeichne das dennoch als «Reise», weil man mit Hund einfach länger von A nach B braucht. Generell sollte man bei einer richtig grossen Reise darauf achten, dass man erst mal einen Ausflug mit Übernachtung in der Nähe macht, um herauszufinden, wie der Hund auf eine neue Umgebung reagiert und wie gestresst er ist.

Tipp Nummer 2: Transport üben
Wenn dein Hund Autofahren hasst, ist eine «Reise» schon mal sehr schwierig und es könnte sich empfehlen, die Ferien in der Schweiz zu verbringen. Mein Hund hatte nur wenige Wochen zuvor eine 18-stündige Fahrt von Rumänien nach Deutschland hinter sich, wir rechneten also damit, dass sie Autofahren ziemlich blöd findet. In Vorbereitung auf die zweistündige Fahrt übten wir also. Kurze Distanzen wurden nach und nach verlängert und wir merkten: Sie ist kein Fan, aber sie macht es mit. Das gleiche gilt für Zug und Fähre. Es lohnt sich, kleine Distanzen mit dem Verkehrsmittel vorab zu testen.

Tipp Nummer 3: Hundefreundliche Destination wählen
Das Airbnb im belebten Berliner Stadtteil Neukölln erlaubt Hunde? Toll, du solltest vielleicht trotzdem darauf verzichten. Wählt eine Destination, die dem Hund guttut und wo er sich zurückziehen kann. Geht es dem Hund gut, geht es euch gut. Drei Tage den Hund durch die überfüllten Strassen zu zerren und sich darüber aufzuregen, dass er auf den Teppich macht, ist weder entspannt für euch, noch für den Hund.
Tipp Nummer 4: Maximalistisch packen
Weil es Zulas erster Ausflug war, haben wir alles Mögliche eingepackt: Ihr eigenes Bett, ihre Decke, Futter, das reichen würde, falls eine Apokalypse eintritt, Napf, Leckerli und vieles mehr. In Zukunft wird bei Reisen nur noch das Nötigste mitgenommen und wir ernähren uns im Fall einer Katastrophe von Liebe und Luft, aber für die erste Reise würde ich wirklich nichts dem Zufall überlassen. Futter unterwegs zu wechseln, kann in der Stresssituation auch zu Durchfall führen.
Tipp Nummer 5: Kurze Reisen buchen
Für die erste Reise macht es Sinn, nur ein paar Tage einzuplanen. Vor allem dann, wenn es ein Ort mit vielen Reizen ist. Wenn ihr einfach in die Berge geht und in eine Hütte ohne Ablenkung zieht, dann kann man sicher auch verlängern. Alles andere würde ich auf drei Nächte begrenzen.

Tipp Nummer 6: Exit-Strategie planen
Wenn alle Stricke reissen, solltet ihr die Ferien abbrechen. Es kann passieren, dass euer Hund am neuen Ort hechelt und dauerhaft gähnt, aber nicht zur Ruhe kommt. Für den eigenen Seelenfrieden lohnt es sich, vorzeitig abzubrechen. Da es sich in meinem Fall im Allgäu um einen Geburtstag handelte, hatten mein Freund und ich den Deal, dass er mit Zula nach Hause fährt, falls es ihr nicht gut geht, und ich bleiben würde.
Tipp Nummer 7: Routine einhalten
Wenn schon die Umgebung anders ist, gibt es dem Hund auf der Reise Sicherheit, wenn die Routine eingehalten wird. Also: Futter zu den gleichen Zeiten geben, wie zu Hause, Spaziergänge einplanen, den Hund nicht zu lange alleine lassen, um Essen zu gehen oder durch die Stadt zu bummeln. Selbst wenn Verwandte oder Freunde da sind, die aufpassen, ist es wichtig, in der Nähe vom Hund zu bleiben. Am Ende seid ihr die Bezugsperson, euch vertraut euer Hund am ehesten.

Tipp Nummer 8: Wenig auf die To-do-Liste setzen
Du willst in deiner Ziel-Destination alles sehen? Auch das eigene Programm muss angepasst werden. Man kann vielleicht nicht in das Michelin-Restaurant gehen oder shoppen, bis man umfällt. Selbst ein Play-Date im Hundepark kann Überforderung heissen. Je nachdem, was für einen Hund man hat. Deshalb ist es besser, weniger zu planen, auszuprobieren und zur Not jederzeit abzubrechen.

Und ich habe auch ein Learning aus eigener naiver Erfahrung: Wanderwege sollten gut abgecheckt werden. Der wunderschöne Wanderweg für die Sommermonate war in unserem Fall der Moment, in dem wir knietief in der… … schneebedeckten Landschaft steckten. Zula hat es glücklicherweise nichts ausgemacht, aber wir rutschten ziemlich durch die Eislandschaft. Deshalb: Alle Wege gut abchecken und die Kommentare auf Komoot durchlesen – euer Hund ist auch auf euer Wohlergehen angewiesen.
Das war die erste Mini-Reise mit Hund, im Sommer gibt es dann mehr Tipps für die erste grosse Reise. Für Zula und mich geht es dann nach Norwegen – und damit auch aufs Schiff.



