Im März gehe ich mit meiner Familie auf Weltreise. Zugegeben, ich bin bisher sehr naiv mit dem Thema Reise-Impfungen umgegangen. Mückenspray, Schmerztabletten, Immodium und vielleicht noch ein paar Pflaster waren das einzige, was ich vor der Reise besorgt habe. Weder Gelbfieber oder Tollwut hatte ich für meine bisherigen Ferienpläne auf dem Radar – ganz zu schweigen von Malaria-Prophylaxe oder anderer Notfallmedizin.

Das Gute, wenn du mit einem Kleinkind reist: Da du bereits gefühlt alle sechs Monate in der Kontrolle oder beim Impfen warst, gibt’s mehr als genug Gelegenheiten, um mit dem Kinderarzt über die spezifischen Bedürfnisse und Voraussetzungen für Reise-Impfungen bei Kleinkindern zu sprechen.
Wo mache ich die Reise-Impfungen?
Der Kinderarzt selbst macht aber nicht alle Impfungen, genauso wenig der Hausarzt oder die Hausärztin. Dafür musst du zu einem Tropenarzt oder in einer Klinik für Tropen- bzw. Reisemedizin. In einem ersten Beratungsgespräch wirst du über die verschiedenen Krankheiten und die aktuellen Risikogebiete aufgeklärt. Idealerweise kennst du zu dem Zeitpunkt schon grob deine Reiseroute, damit du gewisse Gebiete aussschliessen kannst. Das Beratungsgespräch in Zentrum für Reisemedizin der Universität Zürich dauert 25 Minuten und kostet 90 Franken pro Person. Für Kinder gibt es eine Pauschale von 35 Franken.
Wichtig: Sofern dein Kind älter als 12 Jahre ist, muss es zur Konsultation mitkommen. Kinder unter 12 Jahren dürfen weg bleiben.
Die Ärztin hat uns nicht nur spezifisch gemäss unseren bisherigen Impfungen und Reisezielen beraten, sie hat uns auch geraten, die Website healthytravel.ch zu speichern, wo wir uns über Ausbrüche wie auch die neuesten Reiseempfehlungen auf dem Laufenden halten können.

Zahlt die Krankenkasse Reise-Impfungen?
Das Zentrum für Reisemedizin schreibt auf ihrer Website: «Ab 1. Januar 2026 werden Impfungen gemäss Schweizer Impfplan und die dazugehörige Impfberatung neu über die obligatorische Krankenkasse (KVG) abgerechnet und sind franchisenbefreit. Reiseberatung und Reiseimpfungen bleiben Selbstzahlerleistungen.» Wenn du im Zentrum ankommst, meldest du dich mit deiner Krankenkassenkarte an. Du wirst die Konsultation und die Impfungen auch gleich vor Ort bezahlen. Da die verschiedenen Leistungen unterschiedlich finanziert werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass du zwei Rechnungen erhältst: Eine, die du selbst bezahlst (bei Selbstzahlerleistungen) und eine für die Krankenkasse (KVG-Leistungen).
In unserem Fall dauerte die Beratung fast eine Stunde. Da ich und mein Mann gleich erste Impfungen nach dem Termin gemacht haben (zweimal Gelbfieber und einmal Hepatitis A), beliefen sich die Kosten für diesen Konsultation und erste Impfungen auf total 367 Franken. Unsere Krankenkasse übernahm rund 130 Franken. Die Konsultationskosten für unser Kind wurden nicht übernommen.
Bei unserem zweiten Termin liessen wir auch unseren Sohn impfen. Auf dem Plan standen die zweite Hepatitis A für meinen Mann, Gelbfieber für den Junior und die erste Tollwut-Dosis für uns alle drei. Nach der ersten Reiseberatung braucht ihr keinen weiteren Bertungstermin vor der Impfung, du kannst einfach online einen Impftermin buchen und ins Zentrum reinlaufen. Hier beliefen sich die Kosten am Ende auf total 440 Franken – die Krankenkasse übernahm am Ende doch 356 Franken.
Noch steht unser letzter Impftermin aus: Die zweite Tollwut-Impfung sowie Typhus sind Ende Februar geplant. Für diese Impfungen haben wir uns entschieden:
| Krankheit | Übertragung & Impfung | Bemerkung |
| Hepatitis A | Übertragung über Lebensmittel (A) oder Körperflüssigkeiten (B). Schäden entstehen durch Entzündung der Leber. Die Schutzimpfung besteht bei beiden Erregern aus 2 Injektionen. | Hepatitis B ist im aktuellen Impfplan drin, Hepatitis A nicht mehr. Die Injektionen musst du in einem Abstand von mind. 6 Monaten impfen. Also genügend früh einplanen! |
| Gelbfieber | Übertragung durch Stechmücken, kann die Organe angreifen. Die Impfung besteht aus einer Injektion und der Schutz hält lebenslang. | Die Impfung für Gelbfieber musst du häufig nachweisen, wenn du aus einem betroffenen Gebiet in ein anderes Land einreisen willst (z.B. von Brasilien nach Asien). |
| Tollwut | Tollwut wird von Tieren auf den Menschen übertragen. Tollwut Ist tödlich – diese Impfung ist also kein Nice to have! Zwischen der ersten und der zweiten müssen vier Wochen liegen. | Wichtig: du bist nicht komplett vor der Krankheit geschützt – nach einem Biss musst du zwingend einen Arzt aufsuchen und mit einer dritten Impfung den Ausbruch verhindern. |
| Typhus | Übertragung durch verunreinigtes Wasser und Nahrungsmittel. Typhus bringt unter anderem Fieber, Bauchschmerzen und Durchfall mit sich. In der Schweiz ist Typhus eine Schluckimpfung. | Unsere Tropenärztin hat der Impfung eine Wirksamkeit von ca. 60 % zugeschrieben. Das Risiko, dass du bei einer Infektion Antibiotika nehmen musst, bleibt also bestehen. |
Kann ich mich gegen Malaria impfen?
Das grösste Infektionsrisiko für Malaria besteht in Afrika südlich der Sahara, aber grundsätzlich ist Malaria in vielen tropischen und subtropischen Gebieten der Welt verbreitet, auch in Asien. Malaria wird durch nacht- und dämmerungsaktive Anopheles-Mücken übertragen. Nach dem Stich kommt es zu typischen Frühsymptome der Malaria wie Fieber oder Schüttelfrost. Wenn dies nicht behandelt wird, können diese Symptome fortschreiten und der Parasit kann Organschäden verursachen. Unbehandelt hat Malaria bei nicht immunen Menschen also eine recht hohe Sterblichkeitsrate.
Leider gibt es gegen Malaria keine Impfung. Stattdessen gibt es Malaria-Tabletten. Die Chemoprophylaxe zeigt laut Zentrum für Reisemedizin eine Wirksamkeit von über 95%. Der Nachteil: Alle Malariamittel haben ganz eigene Nebenwirkungen. Das Zentrum zitiert Magen-Darm-Probleme, Stimmungsschwankungen, lebhafte Träume, Lichtempfindlichkeit bis hin zu Candida-Superinfektionen. Tropenärzte empfehlen Reisenden generell, einen grossen Fokus auf den Mückenschutz zu legen und Repellent mit DEET auf die Haut und die Kleidung aufzutragen.
Die Krux beim Dengue Impfstoff
Dengue wird durch ein Virus verursacht, das tagsüber von der Tigermücke übertragen wird. Sie hält sich am liebsten in eher städtischer Umgebung und in der Nähe der Menschen auf. Laut Zentrum für Reisemedizin verlaufen die meisten Dengue-Infektionen ohne Symptome und werden deshalb gar nicht bemerkt. Wenn aber das Dengue-Fieber ausbricht, wird es von Kopfschmerzen, Muskel-/Gliederschmerzen und einem roter fleckiger Hautausschlag begleitet. Diese Symptome klingen in den meisten Fällen von selbst ab, können aber auch schwer verlaufen.
Mittlerweile gibt es eine Impfung gegen das Dengue-Fieber. Der Impfstoff wird jedoch nur zum Schutz gegen eine erneute (zweite) Dengue-Erkrankung verimpft. Du kannst sie also nur machen, wenn du weisst, dass du vor mindestens sechs Monaten eine Dengue-Infektion durchgemacht hast. Gemäss unserer Ärztin würde eine Erstinfektion nach der Impfung noch viel stärkere Symptome auslösen. Deswegen solltest du auch tagsüber in den betroffenen Gebieten zusehen, nicht zu viele Stiche zu sammeln. Wie auch bei Malaria, ist der beste Schutz lange und imprägnierte Kleidung und genügend Mückenspray auf die Haut.
Soll ich mich gegen Japanische Enzephalitis impfen?
Die Impfung gegen die japanische Enzephalitis ist eine klassische Reise-Impfung, die für Reisende empfohlen wird, die sich in ländlichen Umgebungen Asiens und in Australien aufhalten. Die Birusinfektion wird durch nachtaktive Mücken übertragen und zeigt sich als Gehirnentzündung. Sie ist mit Abstand die teuerste Impfung (zwei Dosen à je 136 Franken). Das Erkrankungsrisiko für Reisende ist laut INFOVAC sehr klein und wir haben uns aufgrund unserer Reisepläne gegen sie entschieden. Mycation Redaktorin Jannina war ein smartes Füchslein und hat sich die Impfung in Bangkok für unter 20 Franken geholt.
Soll ich mich gegen Cholera impfen?
Cholera ist eine schwere Durchfallerkrankung. Die Übertragung erfolgt über verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel. Zwar verlaufen viele Infektionen symptomlos, treten jedoch Symptome auf und erfolgt keine adäquate Behandlung, kann die Erkrankung aufgrund des immensen Wasserverlust tödlich verlaufen. Die Impfung ist nur empfohlen, wenn man in Länder mit Ausbrüchen reist (das sind meist Länder, die in humanitären Krisen stecken). Du kannst auch ein paar Wasser-Entkeimungstabletten mitnehmen, um im Zweifelsfall ausgerüstet zu sein. Wie bei allen anderen Impfungen musst du nach einer fachärtzlichen Beratung selbst entscheiden, welches Risiko du auf deiner Reise in Kauf nehmen möchtest.
Kann ich mich im Ausland impfen lassen?
Reiseimpfungen sind in der Schweiz oftmals teuer und auch abhängig von der Verfügbarkeit des jeweiligen Impfstoffes. Gewisse Impfungen sind auch nur in bestimmten Ländern verfügbar (z.B. Dengue Impfstoff). Wer wie mycation Redaktorin Jannina in Betracht zieht, sich im Ausland für einen günstigeren Preis impfen zu lassen, sollte im Vorhinein einiges beachten: Man sollte sich nur in offiziellen Impfzentren, Krankenhäusern oder anerkannten Arztpraxen impfen lassen. Hier kann man nach Empfehlungen der WHO, Botschaften oder Tropeninstituten handeln. Frage immer nach den Herstellern der Impfstoffe und den genauen Namen und vergleiche sie mit denjenigen, die in der Schweiz verabreicht werden. Meist wird dies bereits auf der Webseite angegeben und man kann es im Voraus abklären. Bei wichtigen Impfungen muss es ein international anerkannter Impfstoff sein (z.B. Gelbfieber).
Achte bei der Dokumentation im Impfpass darauf, dass Impfstoff-Name, Chargennummer, Datum, Stempel und Unterschrift der Einrichtung eingetragen wird, denn für bestimmte Impfungen braucht man einen gültigen Eintrag im Impfpass, da sie sonst bei der Einreise nicht anerkannt wird. Manche Auslandsversicherungen erstatten Reiseimpfungen nicht. Dies sollte man im Voraus abklären. Unsere Empfehlung: Wenn es sich um komplexe Impfschemata handelt oder mehrere Impfungen gleichzeitig notwendig sind, solltest du dich lieber in einem Tropeninstitut in der Heimat impfen lassen.



