Eine Weltreise mit Kleinkind klingt für viele nach Wahnsinn. Für mich geht ein jahrelanger Traum in Erfüllung. Aber auch ich musste der Realität ins Auge sehen: Reisen mit Kind bedeutet Organisation. Viel Organisation. Denn spätestens, wenn nicht nur deine eigene Sicherheit, sondern auch jene deines Mini-Menschen über Ozeane hinweg gewährleistet sein muss, hört die Spontanität auf – und die To-do-Liste beginnt zu wachsen. Hier kommen meine wichtigsten Tipps für diese ganz besondere Art der Reiseplanung.
Alltag abmelden, Freiheit anmelden
Bevor wir auch nur einen Flug gebucht haben, ging es an die ungeliebten, aber entscheidenden Basics. Ich habe vor der Abreise jeden Franken einmal umgedreht: Laufende Fixkosten analysiert und alle Rechnungen wenn möglich auf ebill umgestellt. Versicherungen wie die Krankenkasse kann man auch auf einmal bezahlen – das tut als dreiköpfige Familie ein bisschen weh und leider profitiert man auch nicht von Wahnsinns-Zinsen, aber dann hat man wenigstens eine monatliche Rechnung weniger.
Was naheliegt: Grosszügige Kündigungen. Fitnessabos kann man meist nur für ein, zwei Monate pausieren, die mussten also weg. Wir haben uns auch entschieden, die Streamingdienste abzumelden. Sollten wir Netflix & Co. unter Palmen vermissen, ist das Abo schnell wieder aktiviert. Unser Handyabo haben wir auf einen Prepaid-Tarif umgestellt, sodass die Schweizer Nummer aktiv bleibt, wir aber keine Fixkosten haben. Kita? Abgemeldet. Post? An die Familie weitergeleitet. Wohnung? Schweren Herzens gekündigt. Möbel? Mit dem einem Van von Hertz abgeholt und eingelagert.


Aber: Ein Job muss nicht immer gleich gekündet werden. Je nachdem, wann und wie lange du reist, kannst du Überzeitguthaben nutzen, die Reise mit unbezahltem Urlaub regeln – oder gar ein remote Arbeitsverhältnis aushandeln. In der Schweiz lohnt es sich, früh mit Arbeitgeber:innen zu sprechen – in meinem Umfeld habe ich jetzt immer wieder gehört, dass flexible Lösungen möglich sind, wenn man transparent plant.
Wichtig für den Wiedereintritt nach der Reise
Wer nach einer längeren Reise arbeitslos ist und Leistungen der Arbeitslosenversicherung beziehen möchte, sollte sich rechtzeitig über die Voraussetzungen und den richtigen Zeitpunkt der Anmeldung beim RAV informieren. Eine zu späte Anmeldung kann zu fehlenden Taggeldern (keine Rückwirkung) und bei falschem Vorgehen (z.B. ungenügende Bewerbungen, Verletzung von Meldepflichten) zu Einstelltagen führen. Weiterer Tipp: Anstatt nach deiner Rückkehr im Stimmungstief erst noch nach dem letzten Arbeitszeugnis zu suchen, scannst du am besten vor deiner Reise schon alles ein und machst deinen CV up to date für deine Rückkehr.
Mehr Gründlichkeit vorab, weniger Stress unterwegs
Eines der meistgenannten Learnings von reisenden Familien: Dokumente sind alles. Gerade auf ausändischen Ämtern oder bei der Einreise geht es noch überraschend analog zu und her. Für uns hiess das konkret: Passfotos auf Vorrat schiessen (lustiges Flashback, mal wieder in so einen Foto-Automaten zu sitzen). Passfotos sind Gold wert bei Visa-Anträgen oder für den Kauf von SIM-Karten.

Was auch nicht fehlen darf: Versicherungsbestätigungen, Internationale Führerausweise, Pass und ID (ja, beides). Ich hatte viele Jahre keine ID mehr, hab mich am Ende aber dafür entschieden, für den Worst Case eine ID mitzunehmen. Zweitpässe? Kommen auch mit. Pässe sind schliesslich zum Reisen da, und nicht, um in der Schublade zu verstauben. In meinem Algorhythmus tauchte immer wieder der gleiche Hack auf: Den Swiss Pass der SBB als Identitätskarte unterwegs nutzen. Durch das Foto, Geburtsdatum und die Swissness im Design macht dieses Kärtchen genügend Eindruck, um als Pfand für die Rollermiete duchrzugehen. Unsere kommen auf jeden Fall mit, ob’s funktioniert bestätige ich dir in den nächsten Wochen auf unserem Instagram-Kanal.
Tipp für einfache Digitalisierung
Du bist kein Fan von Dropbox, Drive und Co.? Dann mach einen Whatsapp-Chat mit mir selbst als Dokumentenablage. Notfallnummern aller Länder, Impfpass, Pass, internationale Führerscheine, Tickets, Buchungen, Versicherungsbestätigungen usw. kannst du von da einfach abrufen, weiterleiten, ohne viel Scrollen. Es soll auch Apps geben, die dieses Level von Organisation perfektionieren – Jannina hat einige Reiseapps selbst getestet.
Für unterwegs haben wir folgendes Set-up gewählt: Mehrere Kreditkarten (am besten von verschiedenen Anbietern und im Mobile-Wallet hinterlegt) und ein Konto bei Wise. Auch da könnt ihr eine Karte für ein paar Franken bestellen und diese wie eine Debitkarte nutzen. Die besten Kreditkarten zum Reisen haben wir übrigens auch schon mal vorgestellt.
Gesundheit: Planung statt Panik
Wir waren vor unserer Reise beim Tropenarzt und beim Kinderarzt. Beim Kinderarzt haben wir die Reiseapotheke zusammengestellt. In einem Beratungsgespräch im Zentrum für Reisemedizin haben wir uns über nötige und empfohlene Impfungen und kinderspezifische Risiken informiert. Ausserdem noch ein Tipp der Ärztin: Über die Plattform healthytravel.ch könnt ihr euch über Ausbrüche und aktuelle Empfehlungen für die Reisemedizin auf dem Laufenden halten.

Good to know: Seit 1. Januar 2026 sind Impfungen gemäss dem Schweizer Impfplan und die dazugehörige Impfberatung franchisebefreit. Für die Kund:innen fällt lediglich der übliche Selbstbehalt von 10% an. Reiseberatung und Reiseimpfungen bleiben Selbstzahlerleistungen. Preislisten gibt es hier.
Früh informieren lohnt sich
Gewisse Impfungen bestehen aus mehreren Dosen, die Wochen oder gar Monate auseinanderliegen müssen. Im Fall von Hepatitis A und B sind es mindestens 6 Monate. Also genügend früh informieren und Impftermine planen! Wenn aber alle Stricke reissen: Jannina hat sich in Bangkok noch impfen lassen, und das hat reibungslos funktioniert. Bonus: Die Impfstoffe sind günstiger als in der Schweiz.
Und was war jetzt tatsächlich anders?
Wer mich kennt, der weiss: Ich bin generell gut auf Ferien vorbereitet. Ich liebe Inspirationssuche und Planung – aber keine Angst, ich kann aber auch wunderbar entspannen auf Reisen. Generell ist diese Reise aber sehr viel bewusster geplant. Aber nicht die Route oder das Programm, sondern die Vorbereitung, weil man einfach nicht «nur kurz» weg ist. Ich muss ehrlich gestehen: Mit Impfungen oder Prophylaxe habe ich mich vorher nie auseinandergesetzt. Und auch bei den Versicherungen bin ich froh, das eine oder andere Loch oder eine Doppelspurigkeit bemerkt zu haben. Und ja, umgezogen bin ich auch noch nie direkt vor dem Ferien. Aber jetzt heisst es: Zurücklehnen und Tage zählen, weil die Basics geregelt sind. Schon bald liest du hier, wo uns das Abenteuer Weltreise hinführt.



