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Weinwanderungen haben im Wallis eine lange Tradition und sind vor allem aus dem Herbst bekannt, wenn die Weinlese ansteht und die Reben in warmen Farben leuchten. Weniger bekannt ist, dass solche Spaziergänge auch im Frühling stattfinden – ruhiger, frischer und mit einem ganz eigenen Charakter.

An einem solchen Frühlingstag bin ich von Sion aus Richtung Domaine du Mont d’Or aufgebrochen. Die Anreise ist unkompliziert, und schon nach kurzer Zeit ist man mitten in den Rebbergen, oberhalb des Naturschutzgebiets Montorge. Die terrassierten Hänge ziehen sich den Hang hinauf, Trockenmauern strukturieren das Gelände, und der Blick öffnet sich weit über das Rhonetal, so, wie man es sich im Wallis vorstellt.

Fantastische Aussichten von den Rebbergen der Domaine Mont d’Or.

Das Wallis ist das grösste Weinbaugebiet des Landes und profitiert von einem trockenen, sonnigen Klima mit vielen Sonnenstunden im Jahr. Die steilen, oft terrassierten Lagen entlang des Rhonetals sind prägend für die Region und bringen eine Vielzahl an Rebsorten hervor, von bekannten Klassikern bis zu lokalen Spezialitäten. Der Weinbau ist hier nicht nur Wirtschaftszweig, sondern Teil der Kultur und Landschaft.

Dieses Erlebnis gibt’s nur zweimal im Jahr

Der Tag der offenen Tür «Le Bourgeon d’Or» findet nur an einem Samstag in Jahr im Frühling satt. Im Herbst kann man einen weiteren genussvollen Spaziergang geniessen. Gleich zu Beginn bekommt man ein Weinglas und eine kleine Tragetasche, in der man es während des Spaziergangs gut transportieren kann. Dieses Glas begleitet einen durch den ganzen Nachmittag. Eine klassische Führung gibt es nicht, man bewegt sich individuell durch die Weinberge und folgt dem Weg von Station zu Station.

Das kleine Täschen dient dazu, das eigene Glas zu transportieren.

An jeder Station werden verschiedene Weine ausgeschenkt, von frischen Weissweinen über Rosé bis hin zu Rotweinen. Die passenden Informationen erhält man direkt an den Degustationspunkten, wo auch Fragen rund um die Weine offen und unkompliziert beantwortet werden. Zu jedem Glas wird zudem eine kleine regionale Speise serviert, die sorgfältig auf den jeweiligen Wein abgestimmt ist.

Auf der Weinwanderung begwegt man sich in eigenem Tempo zwischen den Stationen.

Zwischen den Stationen entsteht ein eigener Rhythmus. Man geht ein Stück, bleibt stehen, schaut über die Reben oder ins Tal. Wer Natur, Wein und Sonne schätzt, ist hier ziemlich genau am richtigen Ort.

Das älteste Weingut im Wallis

Die Domaine du Mont d’Or bringt zudem viel Geschichte mit. Sie gilt als das älteste Weingut im Wallis und ist eng mit dem Johannisberg verbunden, der hier aus der Sylvaner-Traube entstanden ist. Die Rebberge sind biologisch bewirtschaftet und prägen mit ihren Terrassen das Landschaftsbild.

Charmant und mit viel Geschichte: Das Weingut Mont d’Or.

Gegen Ende führt der Weg in den historischen Weinkeller. Nach der Helligkeit draussen wirkt es dort kühler und ruhiger. Hier bleibt noch Zeit für einen letzten Wein. Wer möchte, kann anschliessend Weine vor Ort kaufen oder bestellen. Gleichzeitig zeigt sich, dass sich ein Besuch auch ausserhalb dieser zwei Wochenenden im Jahr lohnt – etwa für eine Degustation im Hauptgebäude und einen eigenen Spaziergang durch die Rebberge. Auch das ganzjährig angebotene Escape Game für Gruppen von 10 bis 21 Personen ist eine unerwartete Ergänzung.

Für mich war meine erste Weinwanderung ein ruhiges, offenes Erlebnis. Man bewegt sich durch die Landschaft, probiert Weine, isst Kleinigkeiten und nimmt sich die Zeit, die es gerade braucht.

Hier schlummert der Wein: Der Anlass endet im Weinkeller.
Olga Cudakova

Meine ideale Vacation ist die Kultourcation. Als Kultouristin lasse ich mich von Museen, Galerien und kleinen Cafés inspirieren, entdecke lokale Handwerkskunst und Geschichten hinter den Fassaden. Bei mycation zeige ich, wie Kunst und Kultur nicht nur Ziele, sondern auch Wege zu neuen Perspektiven sein können.

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