Palmen, türkisblaues Wasser, endlos weisse Sandstrände: So stellt man sich Strände auf Sansibar oder auf den Seychellen vor. Genau diese Traumkulisse wie aus dem Hochglanz-Magazin bietet auch Mosambik. Und gleichzeitig gehört das Land zu den ärmsten der Welt. Das ist ein Widerspruch, der sich auf dieser Reise nicht ausblenden lässt.

Vielleicht war es die etwas naive Vorstellung des Landes, die mich dazu brachte, mich auf das Abenteuer Mosambik einzulassen. Ein echter Geheimtipp: unberührte Sandstrände, romantische Hütten mit Meerblick und das Gefühl, etwas entdeckt zu haben, das andere noch nicht auf dem Radar haben. Auf der Suche nach einem Ort, der mich unter Reisefüdli zur Kennerin machen würde, fand ich eine Lebensrealität, die mir etwas viel Wertvolleres mitgab: die Fähigkeit, meinen eigenen Konsum zu hinterfragen.
Taxitransfer auf dem TukTuk oder mit dem Heli
Wer in Vilanculos ankommt, läuft zu Fuss zum Gepäckband. Das Visum muss bar bezahlt werden. Schon tauchte das erste Problem auf. Wir hatten nur Schweizer Franken (zugegeben, sehr naiv von uns). «Wir nehmen Euro, gebt uns einfach Euro», wiederholt der Mann am Schalter. Ups, hätte man sich vorher informieren müssen. Am Ende geht es doch irgendwie mit der Karte. Draussen wollen wir ein Taxi nehmen. Aber Taxis gibt es nicht. Autos fahren generell kaum welche. Es gibt aber einen Autoverleih gegenüber. Wir denken, wir gehen den Weg des geringsten Widerstands und wollen ein Auto mieten, das geht aber nicht. Alle Autos sind vermietet.

Die anderen Tourist:innen sind hauptsächlich Südafrikaner:innen. Manche werden ihre Flitterwochen hier verbringen. Während wir überlegen, wie wir überhaupt vom Flughafen wegkommen, landen nebenan die Helikopter der Luxusresorts. Viele Tourist:innen werden von Mosambik nämlich so wenig wie möglich sehen und direkt in ihrer Unterkunft einchecken. In Luxus-Resorts, die den Extra-Reichen vorbestimmt sind. Wie etwa das Anantara Bazaruto Island Resort, das bei 869 Franken pro Nacht anfängt. Im Kisawa Sanctuary kann man Villen ab 5’570 Euro pro Nacht mieten (für 3 Personen). Die Azura Boutique Retreats kosten um die 1’600 Euro pro Nacht. Selbst Gutverdiener:innen staunen über diese Preise. Aber an der Küste vom Indischen Ozean gibt es aber auch erschwingliche Unterkünfte. Für uns fiel die Wahl auf das Baobab Beach Resort. Wir telefonieren und finden heraus: Es gibt einen Tuktuk-Transfer. Der kann uns auch spontan mitnehmen, in Mosambik wird nämlich nicht lange überlegt, sondern man hilft sich einfach gegenseitig.



Luxus am Indischen Ozean – aber für wen?
Genau hier entsteht der grosse Bruch des Landes. Mosambik gehört zu den fünf ärmsten Ländern der Welt. Die traumhaften Strände locken Investor:innen in die zu grossen Teilen unberührte Natur. Doch der Grossteil des Geldes, das in den Luxusresorts verdient wird, fliesst wieder ins Ausland. Die Resorts schaffen Arbeitsplätze. Doch viele der Gewinne verlassen das Land wieder, ähnlich wie an vielen anderen Orten der Karibik.
In der Tourismusforschung spricht man von «Leakage»: Geld, das zwar im Land verdient wird, aber über internationale Hotelketten, ausländische Eigentümer oder importierte Waren wieder abfliesst. Doch im Gegensatz zu den Malediven hat Mosambik noch nicht den Luxus, als Stranddestination bekannt zu sein. Erschwingliche Hotels entlang der Küste rund um Vilanculos bieten eine extrem hohe Chance: Den Tourismus ins Land bringen und Menschen vor Ort Arbeitsplätze zu sichern.
Dennoch wäre es zu einfach, die Luxusresorts nur zu kritisieren. Ein Teil der Einnahmen fliesst in den Schutz der einzigartigen Natur des Bazaruto-Archipels. Auf den Inseln Benguerra oder Bazaruto gibt es sehr viele Korallen und eine Vielfalt an Fischen. Es ist eine der besten Regionen, um Dugongs (Seekühe) zu entdecken. Ausserdem kann man je nach Saison Wale beobachten.

Kleine Hütte mit Meerblick
Das Baobab hat nicht zu viel versprochen. Für 80 Franken die Nacht bekommen wir eine kleine Hütte mit Bett, Dusche und WC. Ausserdem haben wir direkten Strandzugang. Die Managerin des Hotels (eine Mosambikanerin), empfiehlt uns, Wertsachen einzuschliessen. Der Strandabschnitt ist nicht abgesperrt und gehört nicht zum Hotel. Dadurch kann man sich leicht Zugang zum Haus verschaffen.



Am nächsten Morgen blicke ich auf den Strand voller Algen und stelle fest: So sieht der traumhafte Strand aus den Windows-Hintergründen aus, wenn er der Natur belassen wird. Im Wasser wippen Fischerboote hin und her, Strassenhunde streunen umher. Hier wird mir klar, dass ich diese Natürlichkeit von Stränden in Tulum oder Thailand gar nicht mehr gewöhnt bin, weil immer schon Personal da war, das die Algen entfernt, damit wir am weissen Strand posieren können.

Entschleunigung: Eat, drink, read, repeat
Es passiert noch etwas anderes: Die WLAN-Verbindung unterbricht ständig und ich bin ungewollt offline. Ich bin «gezwungen», das Programm durchzuführen, das ich mir eh vorgenommen hatte: Brise spüren, Wellen lauschen, Buch lesen. Und dafür brauche ich nicht einmal einen Journey Designer! Mit der Abschottung passiert es von selbst.

Die Ferien in Vilanculos sind simpel. Strandferien, wie man sie sich vorstellt, aber dann doch nicht umsetzt, weil überall Ablenkung droht. Hier nicht. Man kann mit dem Boot das Bazaruto Archipel besuchen und dort Schnorcheln. Die Unterwasserwelt ist einzigartig und noch immer vielfältig. Wer aber nach Restaurants sucht, hat es schwer. Die Auswahl ist eher gering. Für mich als Foodie eine Umgewöhnung, aber es ist okay. Ich probiere von der Karte voller Sandwiches und Pizza einfach das, was am ehesten nach lokalem Food klingt, und freue mich über den Brei mit Fleischsauce voller Aromen.

Wir laufen an einem Tag in die Stadt, weil ich das Essen nicht vertragen habe (vielleicht hätte ich doch für einmal bei Pizza bleiben sollen). In der Apotheke deckt man mich mit Arznei ein und ich bekomme einen Sirup gegen Bauchschmerzen. Im Gespräch mit den Einheimischen stellen wir fest: Mit Tourismus kann man hier gar nicht so viel anfangen, aber gastfreundlich ist man definitiv. Jeder möchte helfen, wo er kann. Die Amtssprache in Mosambik ist Portugiesisch, aber nur wenige sprechen es auch. Makhuwa, Tsonga/Shangaan, Sena, Ndau, Lomwe, Chuwabu sind nur ein paar der Sprachen, die je nach Region verbreitet sind. Also verständigt man sich mit Händen und Füssen.
Die Zukunft von Vilanculos?
Wir wissen mittlerweile: Es gibt keine Taxis, eigentlich kaum Autos. Zum Markt gehen wir also zu Fuss über die nicht befestigten Strassen. Wenn es regnet, bilden sich hier riesige Pfützen. Viele Tourist:innen wissen davon nichts, weil sie den Strand nie verlassen werden.
Und während ich den Fischern (es sind nur Männer) dabei zuschaue, wie sie ihre Boote fertig machen und sich auf einem Klappstuhl vors Lenkrad setzen, wird mir klar: Vilanculos bietet die perfekten Voraussetzungen, um zu einer Tourismusregion zu werden. Und wahrscheinlich werde ich an diesem Strand irgendwann eine WLAN-Verbindung haben und einen Cocktail an meine Liege gebracht bekommen. Wahrscheinlich verschwinden die Fischerboote und vermutlich werden dort, wo heute Netze trocknen, neue Resorts entstehen und Mosambik wird den Seychellen Konkurrenz machen.

Vielleicht bedeutet Tourismus für ihre Kinder bessere Schulen, ein regelmässiges Einkommen oder medizinische Versorgung. Vielleicht bedeutet er aber auch, dass ein immer grösserer Teil der Küste denjenigen gehört, die sich Ferien für mehrere tausend Franken pro Nacht leisten können. Zwischen diesen beiden Möglichkeiten bewegt sich die Zukunft von Vilanculos.



