Ich habe meine Sommerferien auf einem Roadtrip von San Francisco nach Seattle verbracht. Durch mein Studium in Vancouver liegt es nahe, dass ich meine Sommerferien in Nordamerika verbringe. Weil ich viele Orte rund um Vancouver bereits kenne, habe ich mich entschieden, den amerikanischen Teil der Westküste zu bereisen. Und wie geht das am besten? Natürlich mit einem Roadtrip.
Start in San Francisco mit one-way Auto
Zusammen mit einer Freundin bin ich also erst nach San Francisco geflogen, wo wir drei Tage verbracht haben. Unter anderem haben wir dort das berühmte Pier 39 besucht, sind zum Coit Tower gelaufen und sind erstmals mit einem selbstfahrenden Auto mitgefahren. Nach diesem kurzen Städtetrip haben wir uns dann in San Francisco ein one-way Auto gemietet. Ein one-way Auto ist ein Fahrzeug, mit dem man in einer beliebigen Stadt losfahren kann und es dann in einer beliebigen Stadt innerhalb des Landes abgeben kann. Wir haben uns entschieden, das Auto bis nach Seattle zu nehmen und dann von dort aus mit dem Zug zurück nach Vancouver zu fahren. Dies, weil es nicht möglich war, das Auto über die Grenze mitzunehmen. Für das Auto von Freitag bis Montag haben wir über die Webseite expedia.com einen Automaten für 230 USD gemietet. Dazu kamen dann noch etwa 150 USD für drei volle Tanks.
Erste Etappe: Gasquet und Secret Beach
Am ersten Tag unseres Roadtrips sind wir also mit unserem gemieteten Wagen über die Golden Gate Bridge los Richtung Gasquet. Gasquet ist ein kleines Dorf etwa neun Stunden von San Francisco entfernt. Wir wollten am ersten Tag bereits einen grossen Weg hinter uns bringen und fanden ein relativ günstiges Airbnb in Gasquet. Weil unsere Reise der Roadtrip selbst war, wollten wir diesen natürlich so schön wie möglich gestalten. Darum haben wir uns nicht für die schnelle Route, sondern für den Highway 101 entschieden. Dieser liegt entlang der Küste und ist nicht nur schöner, sondern auch sicherer, wenn man nicht gleich auf eine Autobahn mit sieben Fahrbahnen wagen möchte.
Bereits auf den ersten Kilometern Richtung Gasquet waren wir umgeben von Natur, Meer und wunderschönen Landschaften. Ebenfalls angenehm an dem Highway 101 war, dass man an beliebigen Stellen rausfahren und sich Zeit nehmen konnte, die Natur zu bestaunen. Das haben wir zum Beispiel am ersten Abend gemacht, als wir an einem Strand vorbeigekommen sind und einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachten konnten.

Nach unserer ersten Übernachtung in Gasquet ging es dann an einen Ort, den ich bereits seit einiger Zeit auf meiner Bucket List hatte: den Secret Beach in Oregon. Ich habe Bilder von Secret Beach in den letzten Jahren immer wieder als zufällige Bildschirmschoner bei meinem Fernseher zu Hause gesehen und habe dabei gedacht, dass ich diese Aussichten irgendwann auch echt sehen müsste. Gesagt, getan. In nur 1,5 Stunden von Gasquet aus waren wir am Secret Beach und haben dort eine absolut atemberaubende Aussicht genossen. Es war, als wäre ich in meinen Bildschirmschoner gesprungen. Zu den Aussichtsplattformen wie Secret Beach, sind es immer kurze Wanderungen vom Parkplatz aus. Das war für uns immer eine willkommene Abwechslung zur stundenlangen Autofahrt.

Nationalfeiertag in Milwaukie
Nach einiger Zeit am Secret Beach ging es für uns dann weiter Richtung Milwaukie, Oregon. Ebenfalls eine kleine Gegend, nur 15 Minuten von Portland entfernt. Milwaukie ist nicht zu verwechseln mit der Stadt Milwaukee in Wisconsin. Dieser Trip dauerte etwa sechs Stunden und führte ebenfalls an der Küste entlang. Bereits an diesem Tag haben wir gemerkt, dass wir uns nicht auf Fast-Food-Restaurants am Highway verlassen wollten. So war das Essen sehr amerikanisch und bereits nach zwei Tagen hatten wir Bauchschmerzen. Wir haben uns also entschieden, einigermassen gesunde Snacks in Einkaufsläden zu kaufen und am Abend in unseren Airbnbs etwas richtiges zu kochen. Ich würde dies jedem empfehlen, der nicht an das schwere Essen in Amerika gewohnt ist.
Zufälligerweise war während unserer Übernachtung in Milwaukie der 4th of July, der offizielle Nationalfeiertag der USA. Wir waren durch den Tag etwas beunruhigt, dass es durch die Feuerwerke am Abend laut oder gar gefährlich werden könnte. Diese Angst war aber völlig überflüssig. So fühlten wir uns in den USA während unseres ganzen Trips, trotz der momentan angespannten politischen Lage, nie in Gefahr.
Ein Abstecher nach Forks
Nach unserer zweiten Übernachtung ging es dann weiter über Portland, Oregon nach Forks in Washington. Forks ist der Spielort der berühmten «Twilight»-Saga, weshalb wir uns aus Spass entschieden haben, dort noch eine Nacht zu verbringen. Passend zum Vampir-Thema wurde es tatsächlich Richtung Forks nebliger und wir hatten erstmals während unserer Reise etwas Regen. Obwohl wir sonst meist mit Sonnenschein verwöhnt wurden, war unsere Reise trotzdem nicht besonder heiss. Das, obwohl wir Anfang Juli unterwegs waren. Der Wind spielt, vor allem um San Francisco, eine sehr grosse Rolle, weshalb ich bei einer erneuten Reise im Juli definitiv mehr Pullover einpacken würde.

Der Höhepunkt: Neah Bay und Cape Flattery
Nach unserer Übernachtung in Forks ging es am vierten und letzten Tag unserer Roadtrips zu einer weiteren Bucket-List-Location. Und zwar nach Neah Bay, Washington. Als Teenie habe ich das Buch «Rain Song» von Antje Babendererde gelesen, welches in Neah Bay spielt. Nur durch die Beschreibung des Küstenortes im Roman, habe ich mich in die Gegend verliebt und wollte unbedingt den bekannten Aussichtspunkt besuchen. Also haben wir von Forks aus einen eineinhalb stündigen Umweg Richtung Neah Bay gemacht, um dort das Cape Flattery zu besuchen. Und es war jede Minute wert.
Das Cape Flattery ist der nordwestlichste Punkt von Washington und wird vom Makah-Stamm bewohnt. Die Makahs sind ein Volk der First Nation und besiedeln das Cape Flattery seit über 4000 Jahren. Entsprechend magisch fühlte sich die kleine Wanderung an das Kap an. Man konnte förmlich spüren, wie der Weg zum Aussichtspunkt geprägt von einer Jahrtausend alten Geschichte war und wie gross die Wertschätzung der Makahs für die Natur ist. So führte die Wanderung durch einen dschungelartigen Wald über einen handgebauten Holzweg an das Meer. Von dort aus konnte man über den stürmischen Ozean blicken. Ich hätte dort stundenlang verweilen können.

Nehmt euch Zeit für diesen Roadtrip
Nach diesem Highlight fuhren wir dann von Neah Bay aus zu unserem letzten Stop nach Seattle. Umso näher man wieder der normalen Zivilisation kam, umso unangenehmer wurde das Autofahren. In unseren letzten zehn Minuten mit dem Auto fuhr ich neben Lastwagen und SUVs auf einer achtspurigen Fahrbahn und war sehr froh, unseren Wagen schlussendlich abgeben zu können. Das hat problemlos geklappt und wir konnten gemütlich von Seattle aus den Zug nach Vancouver nehmen.
Ich würde absolut jedem diesen Roadtrip empfehlen und würde ihn jederzeit wieder machen. Das einzige, was ich beachten würde, wäre die Länge des Trips. So hatten wir nur vier Tage Zeit, um die 2.100 Kilometer nach Seattle zu fahren. Für ein nächstes Mal würde ich mir mindestens eine Woche Zeit nehmen, um noch mehr Stopps einlegen zu können.



