Skip to main content

Als Zürcherin mit einem Schulfranzösisch, das ungefähr von «bonjour» bis «merci» reicht, war ich ehrlich gesagt etwas nervös, allein durch Genf zu ziehen. Und dann wollte ich die Stadt auch noch ohne klassisches Sightseeing entdecken, sondern mit vier Workshops, die meine Kreativität, meine Fingerfertigkeit und vor allem mein Verständnis für das, was ich da eigentlich tue, auf die Probe stellen. Die gute Nachricht vorweg: Es lief erstaunlich gut. Die noch bessere: Alle Kurse fanden auch auf Deutsch oder Englisch statt, und überall wurde ich so herzlich empfangen, dass meine Sprachlücken schnell zur Nebensache wurden.

An einem einzigen Tag durfte ich in Genf vier ganz unterschiedliche Erlebnisse ausprobieren. Genau diese Mischung hat mir gezeigt, was die Stadt ausmacht: Genf kann sehr schweizerisch sein, lässt aber gleichzeitig immer auch einen kleinen Hauch Frankreich durchscheinen. Zwischen präziser Uhrmacherei, cremigem Fondue, handgemachter Schokolade und flambierten Crêpes wurde dieser Tag zu einer ziemlich genussvollen Entdeckungsreise.

Uhrmacherei: typisch Genf

Mein Tag begann mit etwas, das ganz klar zu Genf gehört: der Uhrmacherei. Im Workshop bei INITIUM bekam ich zuerst eine Einführung in die Geschichte der Uhrenherstellung und lernte dabei sogar, was der Jet d’Eau mit dem Genfer Uhrenhandwerk zu tun hat. Dass hinter einem der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt auch ein Stück Industriegeschichte steckt, war für mich schon der erste Aha-Moment des Tages.

Danach durfte ich selbst eine mechanische Uhr auseinandernehmen. Spätestens da wurde mir klar, dass Uhrmacherei zu Recht als Königsdisziplin der Präzision gilt. Vor mir lagen winzige Schrauben und kleine Teile, bei denen ich schon nach kurzer Zeit nicht mehr gewusst hätte, was wohin gehört. Zum Glück hatte ich Unterstützung, denn allein hätte ich die Uhr vermutlich in einen sehr persönlichen, aber nicht funktionierenden Designzustand versetzt.

Mit der Uhrmacherlupe musste ich extrem nah an die einzelnen Teile heran. Deshalb sitzt man bei dieser Arbeit auch so tief über dem Tisch, dass mein Kopf gerade noch knapp darüber hinausragte. Der Uhrmacher meinte, es sei ein wenig wie Lego spielen. Im ersten Moment fand ich den Vergleich gewagt, im Nachhinein aber ziemlich treffend. Nur dass dieses Lego sehr viel kleiner ist, deutlich filigraner und viel mehr Geduld verlangt, als ich an diesem Morgen spontan mitgebracht hatte.

Was ich besonders spannend fand: Bei INITIUM kann man nicht nur in die Uhrmacherei reinschnuppern, sondern sich auch seine eigene Uhr zusammenstellen und auf Wunsch selbst zusammensetzen. Ausserdem gibt es dort Workshops, bei denen man Schmuck herstellen oder sogar ein Taschenmesser individuell gestalten kann. Also ja, falls du schon immer mal etwas bauen wolltest, das eleganter aussieht als ein IKEA-Regal: voilà.

Fondue im Chalet: sehr schweizerisch

Nach der filigranen Feinarbeit wurde es deutlich gemütlicher. Im Fonduekurs im Hotel Edelweiss erwartete mich nicht einfach nur ein Restaurant, sondern fast schon ein kleines Chalet mitten in Genf. Alles wirkte warm, heimelig und sehr einladend, genau so, wie man sich den perfekten Ort für ein richtig gutes Fondue vorstellt. Wenn die Uhrmacherei die elegante und präzise Seite der Stadt zeigt, dann zeigt dieser Ort die gemütliche und sehr schweizerische Seite.

Wir machten ein Moitié-Moitié-Fondue und lernten dabei auch, dass selbst bei einem Schweizer Klassiker noch Unterschiede in der Zubereitung stecken. In Frankreich werden zum Teil andere Käsesorten verwendet, während man in der Schweiz oft mit Maizena oder Kartoffelstärke ergänzt. Ich habe gerührt, probiert und aufmerksam zugehört und fühlte mich am Ende tatsächlich ein gutes Stück kompetenter als zu Beginn.

Fondue-Chalet Feeling mitten in Genf

Das Beste daran: Ich ging nicht nur satt aus diesem Workshop heraus, sondern auch mit einem echten Diplom. Ich darf mich also seither ganz offiziell Fondue-Expertin nennen. Dass ich diesen Titel etwas häufiger verwenden werde, als vielleicht nötig wäre, ist sehr gut möglich. Dazu bekam ich auch noch eine Schürze als Andenken. Wer nach einem Workshop mit Diplom und Schürze nach Hause geht, hat kulinarisch definitiv etwas erreicht.

Schokolade: wirklich made in Genf

Prochain arrêt : Chocolaterie La Bonbonnière. Schokolade ist natürlich etwas, das man sofort mit der Schweiz verbindet. In Genf kommt aber noch etwas dazu: Hier gibt es viele Chocolaterien, die ihre Schokolade noch selbst herstellen. Genau das macht den Unterschied. Es geht nicht nur um hübsche Auslagen, sondern um echtes Handwerk und viel Liebe zum Detail.

Im Workshop durfte ich aus flüssiger Schokolade eine eigene Tafel gestalten. Damit keine Luftblasen entstehen, wird das Brett mehrmals aufgeschlagen, bis die Bläschen an die Oberfläche kommen. Danach heisst es kurz warten, bis die Schokolade genug abgekühlt ist, bevor man ein Rechteck ausschneiden und es mit verschiedenen Toppings dekorieren kann.

Vielleicht nicht die schönste Schokolade, aber sie war très délicieux

Meine Kreation war optisch vielleicht nicht ganz auf dem Niveau eines Schaufensters in Genf, aber geschmacklich absolut überzeugend. Oder, um es mit meinem besten improvisierten Französisch zu sagen: très délicieux. Dazu kamen noch verschiedene Pralinen zum Probieren, was den Workshop endgültig in die Kategorie «gefährlich gut» beförderte. Wenn man denkt, bei Schokolade könne man nicht viel falsch machen, stimmt das übrigens nur halb. Schön hinbekommen ist eine Sache. Nicht schon vorher alles wegzuessen die andere.

Crêpes Suzette: ein Hauch Frankreich

Zum Abschluss wartete noch ein Workshop, der perfekt zeigte, wie schön sich in Genf schweizerische und französische Einflüsse mischen. Crêpes Suzette sind klar französisch geprägt und brachten noch einmal eine ganz andere Note in diesen Tag. Nach Uhrmacherei, Fondue und Schokolade war das wie das passende grosse Finale mit etwas Flamme.

Ich kannte Crêpes Suzette vorher zwar dem Namen nach, hatte aber noch nie selbst flambiert. Entsprechend respektvoll war mein Verhältnis zu Pfanne und Feuer. Mit Hilfe der Chefköchin durfte ich aber alles selbst machen, Schritt für Schritt und so erklärt, dass ich mich auch ohne grosses Küchen-Selbstvertrauen gut aufgehoben fühlte.

Die dünnen Crêpes, werden in einer Sauce aus Butter, Zucker, Orangensaft und Orangenlikör getränkt und flambiert
Die dünnen Crêpes, werden in einer Sauce aus Butter, Zucker, Orangensaft und Orangenlikör getränkt und flambiert

Das Resultat war wirklich sehr lecker. Vielleicht sogar extra lecker, weil die Crêpes für den Videodreh etwas länger in der Pfanne karamellisierten als normalerweise. Ich nenne das gerne kulinarische Sorgfalt. Mein Magen war zu diesem Zeitpunkt allerdings schon ziemlich ausgelastet, weshalb am Ende auch Mitarbeitende beim Aufessen halfen. Alle waren sich einig, dass die Crêpes hervorragend gelungen waren. Ob das nun an meinem Talent lag oder einfach an der Kalorienmenge, lassen wir offen.

In Genf ohne Französisch: Hab ich es geschafft?

Was mir an diesem Tag besonders geblieben ist, ist die Mischung. Die Uhrmacherei steht für Genf wie kaum etwas anderes. Fondue ist pure Schweiz, Schokolade ein Handwerk, und die Crêpes Suzette bringen französischen Flair dazu. Genf hat für mich eine neue Seite gezeigt: traditionell, nahbar und genussvoll. Ich habe die Stadt wortwörtlich ausprobiert. Die Antwort auf die Frage, ob eine Zürcherin vier Workshops in Genf meistern kann, lautet: Ja, aber nicht ohne Missgeschicke und Gelächter. Wie ich durchgekommen bin? Alle Kurse fanden auf Deutsch oder Englisch statt, und überall wurde ich herzlich empfangen. Man muss nicht Französisch sprechen, um Genf zu lieben. Würde ich es wieder machen? Avec grand plaisir. Vielleicht mit mehr Platz im Magen.

Dieser Artikel entstand in Partnerschaft mit Genf Tourismus.

Esther Sgaga

Meine ideale Vacation ist die Explorecation. Ich liebe es, individuell Orte zu entdecken, abseits der bekannten Pfade zu reisen und in faszinierende Kulturen einzutauchen. Für mycation nehme ich dich mit auf meine Abenteuer und zeige dir die Welt durch meine Augen.

Touren für goldene Tage Herbstwanderungen in der Schweiz

Herbstwanderungen in der Schweiz

Esther SgagaEsther Sgaga18. September 2026
Evita, Inflation und ein Taxi voller Erinnerungen Meine 48 Stunden in Buenos Aires

Meine 48 Stunden in Buenos Aires

Stephan LendiStephan Lendi15. September 2026