Während andere auf den nächsten 007-Film warten, starte ich meine eigene Serie aus Mini-Vacations und verklammere das Jahr mit Drehorten, an denen sich die Filme nicht nur anschauen, sondern wirklich spüren lassen – von Sean Connery über George Lazenby, Pierce Brosnan bis Daniel Craig. Jede Mini-Vacation ist eine eigene Episode: klar definierte Kulisse, überschaubare Dauer, genug Raum, damit der jeweilige Darsteller in deinem Kopf noch einmal durch seine berühmtesten Szenen geht. Probier’s doch selber mal aus!
Sölden: Prolog in der „Spectre“-Kulisse

Morgens bringt dich die Gondel hinauf zum Gaislachkogl, und schon in der Kabine fühlt es sich nach Establishing Shot an: Nebelschwaden, Stahlseile, darunter Pisten, die ich aus „Spectre“ mit Daniel Craig fast besser kenne als aus den Pistenplänen. Oben steht das ice Q wie ein futuristischer Glaswürfel am Grat – im Film die „Hoffler Klinik“, in meinem Fall einfach der spektakulärste Ort für einen Lunch, bei dem ich jeden Moment erwarte, dass in der Tür Craigs kantige Silhouette auftaucht.
In 007 ELEMENTS tauchst du komplett ab: schmale Gänge, plötzliches Licht, donnernder Sound, Szenen aus „Spectre“, die sich mit der Höhenluft mischen. Immer wieder öffnet sich eine Tür, und statt einer Leinwand steht die echte Bergwelt vor dir – die gleiche Gletscherstrasse, auf der Craigs Bond die legendäre Verfolgungsjagd fährt. Es ist, als würde jemand zwischen Take und Realität hin- und herschneiden. Sölden ist nicht nur Kulisse, Sölden fühlt sich an wie eine verlängerte Craig-Action-Sequenz, in der du einfach mitläufst.




Schilthorn / Mürren: Blofelds Balkon als Tagesmission

Der nächste Baustein steht fest: Schilthorn und Mürren, das Herz von „On Her Majesty’s Secret Service“ mit George Lazenby. Du siehst dich schon in Interlaken aus dem Zug steigen, auf Postauto oder Bahn wechseln und mit den Gondeln hoch nach Piz Gloria schweben, während die Schneeflächen unter dir aussehen, als wären sie für Lazenbys Ski-Szenen neu gepudert worden
Oben kannst du dir Zeit nehmen: Zuerst Walk of Fame, wo Originalmaterial und Installationen zeigen, wie aus diesem Gipfel Blofelds Hauptquartier der Lazenby-Ära wurde. Draussen auf der Terrasse drehst du dich langsam einmal um die eigene Achse und hörst in deinem Kopf Lazenbys berühmtes „This never happened to the other fellow“, während du über Eiger, Mönch und Jungfrau blickst.

Furkapass: Sommer-Roadtrip im „Goldfinger“-Tempo

Den Furkapass setze ich bewusst in den Sommer, wenn der Schnee weg ist und die Strasse wie eine perfekt gezogene Trackingline durchs Gebirge liegt. In meinem Kopf läuft „Goldfinger“ mit Sean Connery: der Aston Martin DB5, die Haarnadelkurven, die Blicke hinunter ins Rhonetal, begleitet von Connerys lässiger Körperhaltung hinter dem Lenkrad.
Dein Plan: ein Wochenende mit Übernachtung im Tal, ein Tag zum „Nachfahren“ der Strecke, auf der Connerys Bond Goldfingers Rolls-Royce beobachtet – aber in deinem Tempo, mit vielen Stopps. Suche unterwegs die Felsvorsprünge, an denen Connery wendet, die Parkbuchten, aus denen die berühmten Einstellungen entstanden sind, und lasse die Szenerie so lange auf dich wirken, bis die Filmfigur fast zu einem früheren Reisenden dieser Strasse wird.
Verzasca-Staumauer: Adrenalin-Modul im Tessin

Das Verzascatal ist mein Action-Modul, klar verknüpft mit „GoldenEye“ und Pierce Brosnans erstem Auftritt als Bond. Ich stelle mir vor, wie du frühmorgens an der Staumauer ankommst, das Bungee-Seil siehst und dir jene ikonische Eröffnungssequenz ins Gedächtnis rufst, in der Brosnan sich in die 220 Meter Tiefe fallen lässt.
Ob du springst, weiss ich natürlich nicht – vielleicht überlässt du den Stunt lieber Brosnan und seinen Doubles und bleibst selbst am Geländer stehen. Danach gehört der Tag dem Tal: Fluss, Gumpen, Felsen, dieses fast unnatürliche Türkis, das aussieht, als hätte jemand am Farbregler gedreht – ein perfekter Gegenpol zur Betonwand, mit der Brosnans Bond das Franchise damals in eine neue Ära katapultiert hat.

Lago di Como: „Casino Royale“ als Genuss-Wochenende

Der Comer See ist meine Antwort auf die Frage, wie man Filmkulisse und Erholung in ein einziges Bild bekommt – diesmal ganz in der Stimmung von „Casino Royale“ mit Daniel Craig. Plane ein verlängertes Wochenende: Hotel mit Seeblick, Bootstour, Besuche einiger Villen, die im Film als Kulisse für Genesung und finale Konfrontation dienen.
Vom Boot aus wirken die Fassaden wie sorgsam komponierte Frames aus Craigs Debütfilm, doch es sind reale Häuser in einer lebendigen Landschaft. Wenn du abends am Ufer sitzt, denke an die emotionale Wucht dieses Films – an einen Bond, der verletzlicher ist als seine Vorgänger. Die ruhige Oberfläche des Sees spiegelt all das noch einmal leise.
Bregenz: Festspiel-Abend mit Bond-Brille

Bregenz gehört für mich untrennbar zu „Quantum of Solace“, erneut mit Daniel Craig, dessen Bond eine „Tosca“-Vorstellung infiltriert und im Halbdunkel der Seebühne eine Verschwörung entlarvt. Tagsüber gehst du über Stege, Ränge und Plattformen und stellst dir vor, wie Craigs Bond hier im Smoking durch die Zuschauer- und Technikzonen huscht, während auf der Bühne Puccini erklingt.
Wenn es klappt, sitzt du abends selbst im Publikum, während auf der Seebühne gesungen wird und der See die Projektionen reflektiert – diesmal ohne versteckte Agenten, aber mit dem Wissen, dass exakt dieser Ort schon einmal zur Kulisse eines Bondschen Machtspiels wurde. In meinem Reisejahr war das der Moment, in dem Craig-Bond, Hochkultur und reale Festivalstimmung am deutlichsten ineinanderflossen. Ich bin gespannt, wie es für dich sein wird.



