Mein Vancouver-Trip ist das vierte Mal, dass ich für mehrere Monate von Zuhause weg bin. Während diesen Reisen habe ich immer gemerkt, wie wichtig es ist, Freundschaften zu schliessen. Denn auch wenn es toll ist, in einer neuen Stadt unterwegs zu sein, kann es schnell einsam werden. Darum hier meine besten Tipps um (in Vancouver und überall) Freundinnen und Freunde zu finden.
Vorneweg: Der naheliegendste Tipp ist, in Hostels zu übernachten oder (Sprach-)Schulen zu besuchen. Ich war in Vancouver sechs Monate lang an einer Schauspielschule und während eines zweimonatigen Aufenthalts in Spanien an einer Sprachschule. Dabei habe ich sehr gute Freundschaften geschlossen, die ich manchmal noch Jahre nachher pflege. Wenn man in Hostels übernachtet, ist es zudem einfach, andere Menschen zu finden, die auch solo unterwegs sind. Wenn du weder in Hostels noch in Schulen unterwegs bist, gibt es trotzdem viele Möglichkeiten, Menschen kennenzulernen.
Bumble BFF

Vancouver gilt in der Allgemeinheit als sehr freundliche, aber auch distanzierte Stadt. Das bedeutet, dass die Menschen zwar alle höflich und zuvorkommend sind, sich aber nicht einfach so auf eine Freundschaft einlassen. Wer also Freunde finden will, muss bereit sein, sich auch etwas zu exponieren. Die besten Erfahrungen habe ich dafür mit der App Bumble gemacht. Ja, tatsächlich, die Dating-Plattform. Aber keine Angst, du musst dafür nicht anfangen, Menschen zu daten. In den Voreinstellungen der App kann man nämlich wählen, ob man auf der Suche nach einem Partner ist oder ob man Bumble BFF benutzen will.
So funktioniert Bumble BFF:
- Du erstellst dir ein Profil auf Bumble BFF mit Bildern und Prompts. Dabei kannst du angeben, welche Art von Freundschaft du genau suchst. Also z.B. ein Wander-Buddy, jemanden, der genauso gerne Brunchen geht wie du oder Freunde, die mit dir feiern kommen.
- Danach kann man, wie auf Dating-Apps, swipen. Nach rechts, wenn man jemanden gerne kennenlernen möchte oder nach links, wenn es für einen nicht passt.
- Wenn beide Parteien sich nach rechts geswipt haben, hat man danach 48 Stunden Zeit, um sich anzuschreiben. Danach läuft das Match ab.
Während meiner Zeit in Vancouver hatte ich sechs Freundschaft-Dates. Daraus hat sich eine sehr gute Freundschaft und eine Freundschaft-Gruppe entwickelt. Zudem habe ich Menschen aus aller Welt kennengelernt. Wie bei normalen Dates kann man bei solchen Treffen ziemlich nervös sein. Mein Tipp dafür: Vertraue darauf, dass die andere Person genau so gerne jemand tolles kennenlernen möchte, wie du selbst. Je mehr Gemeinsamkeiten man hat, umso einfacher wird es. Wenn es nicht passt, ist es zudem auch völlig okay, wenn sich daraus keine Freundschaft entwickelt. Etwas, was ebenfalls viel Druck rausnehmen kann, ist ein Treffen mit mehreren Matches gleichzeitig zu veranstalten. Bei einem Abendessen zu dritt ist man gleich viel entspannter, als wenn man sich alleine trifft.
Instagram Communities

Ebenfalls eine sehr gute Plattform, um neue Connections zu machen, ist Instagram. Dabei meine ich nicht, einfach irgendwelche Menschen anzuschreiben und zu hoffen, dass man so jemanden kennenlernt. Viel mehr kann man auf Instagram gezielt nach Communities Ausschau halten, die sich für das Kennenlernen von neuen Leuten einsetzen.
Dafür kann man in der Suchleiste meistens einfach die Stadt, die man gerade besucht, plus das Wort «Friends» oder “Freunde” eingeben. In Vancouver gibt es da etwa den Account We should be Friends Vancouver. Die Plattform wurde von einer Kanadierin gegründet, die von Ontario nach Vancouver gezogen ist und sich in der Stadt anfangs sehr einsam gefühlt hat. Unterdessen hat der Account fast 45’000 Followerinnen und Follower und auch ich habe darüber Freundschaften geschlossen.
Solche Instagram-Accounts funktionieren alle sehr ähnlich: Der Host organisiert Events, an denen man sich anmelden und alleine hingehen kann. Meistens kostet das Ganze umgerechnet um die 10 bis 20 Franken und hat einiges zu bieten. Bei We Should Be Friends Vancouver habe ich etwa einen Workshop besucht, an dem wir Silberschmuck aus Silverclay handgefertigt haben und mehrere “Office Hours”. Das waren Treffen, an denen Professorinnen und Professoren zu Themen aus der Popkultur einen Vortrag gehalten haben und man Fragen stellen konnte. Bei mir waren die Themen “Singleness and being in Love” und “Toxic Masculinity”. Es ist also für Frauen, wie auch für Männer, immer etwas dabei.
Community-Apps

Etwas, was ich das erste Mal in Vancouver ausprobiert habe, sind Community-Apps. Also Apps, die darauf ausgelegt sind, Menschen kennenzulernen. In Kanada gibt es dafür etwa die App Flock Social. Darauf findet man jeden Monat dutzende Events, die in der ganzen Stadt stattfinden. Dabei kann man sich selbst als Host anmelden und ein Event planen oder einfach an Treffen teilnehmen. Auf Flock habe ich die grösste Auswahl an Veranstaltungen überhaupt gefunden. Von Schach-Wettbewerben über Pickleball-Turniere zu Bastel-Nachmittagen und Koch-Events gibt es wirklich für jeden und jede etwas. Auch hier kosten die Anlässe nur wenige Dollar und bringen einen mit Menschen aus der ganzen Welt zusammen. Das Beste daran ist, dass man keinen Druck hat, neue Freundschaften zu schliessen. So verbringt man einfach einen Nachmittag oder Abend mit Menschen, die die gleichen Dinge gerne machen, wie man selbst. Dabei kommt man automatisch ins Gespräch und selbst wenn man keine Freundschaften fürs Leben schliesst, hat man einige Stunden unter Menschen und weg vom Handy verbracht.
Wichtiger Hinweis
Wichtig für Apps wie Flock ist es, dass sie oft nur in einer Region verfügbar sind. Ich musste dafür etwa meinen App-Store auf Kanada umstellen, damit mir Flock angezeigt wurde.
Sei mutig
Abschliessend hat der wichtigste Tipp jedoch nicht mit irgendwelchen Apps zu tun, sondern mit einem selbst. Für mich war es anfangs sehr schwierig mich zu exponieren und wirklich etwas dafür zu tun, Menschen kennenzulernen. Aber glaube mir, eine Reise ist so viel schöner, wenn man sie mit anderen teilen kann. Mit etwas Mut und Geduld konnte ich tolle Connections machen, die ich auf keinen Fall missen wollen würde!



