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Thailand mit Kleinkind? Manchmal paradiesisch – manchmal stehst du schwitzend mit einem quengelnden Kind vor einer Apotheke und googelst „Verstopfung Kleinkind Medikament Thailand“. Und doch war Thailand als erste Station unserer Weltreise ein Highlight, gerade in Bezug auf Familienfreundlichkeit. Wenn man weiss, worauf man sich einlässt. Hier kommen meine wichtigsten Learnings.

Songkran ist mit Kind weniger schlimm, als TikTok behauptet

Vor Songkran hatten wir ehrlich gesagt etwas Respekt. Auf Social Media sieht man oft komplette Strassenviertel in Wasserschlachten, betrunkene Tourist:innen (die noch sehr viel anderes als Wasser spritzen) und Menschen mit riesigen Wasserkanonen oder -Kübeln auf Pick-ups. Unsere Sorge: Wird das mit Kleinkind ein riesen Trauma?

Zumindest auf Koh Samui war die Realität deutlich entspannter. Dort spielte sich das Ganze vor allem an einem einzigen Tag richtig ab – und gerade ausserhalb von Chaweng sehr viel ruhiger als erwartet. Klar: Man wird nass. Aber meist eher mit freundlichem Grinsen und respektvollen Wasserspritzern statt Hardcore-Wasserschlacht ohne Rücksicht. Wir waren am Ende sogar etwas traurig, dass wir den ersten (und wohl einzigen Tag) etwas zu ruhig angegangen sind. Denn als wir am zweiten Feiertag mit Wasserpistolen ausgerüstet aus dem Haus stürmten, waren wir allein. Viele Familien berichten übrigens, dass Songkran in Bangkok oder Chiang Mai deutlich intensiver sei als auf den Inseln. Ich würde es bei einem zweiten Mal so halten: Mit kleinen Kindern eher tagsüber kurz reinschnuppern statt abends mitten ins Getümmel stürzen. Und es gibt offenbar viele organisierte Events, die man mit Kindern besuchen kann. Auch einige Hotels bieten Wasserpartys für ihre Gäste, so dass man nicht auf die Strassen muss.

Ab Mitte April wird’s am Strand (zu) heiss

Wir waren zwischen März und Ende April auf Koh Samui und Koh Phangan unterwegs. Im März war das Klima für uns noch gut machbar. Gegen Mitte April wurde es aber brutal heiss – vor allem für unseren dreijährigen Sohn. Ich bin überzeugt, dass wir Eltern schnell unterschätzen, was die Hitze mit kleinen Körpern anstellt. Warnsignal Eins war für uns, dass unser Kind plötzlich wieder einen Mittagsschlaf machte, obwohl wir diesen in der Schweiz schon seit mehreren Monaten hinter uns gelassen haben.

Warnsignal zwei: Kinder merken oft gar nicht, wie viel Flüssigkeit ihnen fehlt. Sie spielen im Sand, buddeln, planschen – trinken aber viel zu wenig. Dazu kommen Reis, Bananen (pov: ChatGPT, warum schenken die Thais eigentlich den Kindern immer Bananen?) und die Hitze. Willkommen beim Familienklassiker: Verstopfung im Paradies. Uns hat Dulphalac aus der thailändischen Apotheke geholfen. Das war Gold wert.

Aber ja: Immer öfter endeten unsere Nachmittage halt im Indoor-Playland statt am Strand. Das tat unserem Europa-Hirn zuerst weh – war aber oft die bessere Lösung. Im Big C auf Koh Samui gibt es gleich mehrere Indoor-Spielbereiche (ca. 300 Baht pro Stunde). Perfekt für die heissesten Stunden des Tages. Das Praktische: Du kannst wenigstens gleich das Einkaufen abhaken.

Schattenplätze sind in Thailand rar. Unter die Kokospalmen sollte man sich keinesfalls setzen.

Mücken sind wirklich ein Thema

Nicht dramatisch. Aber relevant. Vor allem wegen Dengue-Fieber machen sich viele Eltern Sorgen – zurecht. Unser Fazit nach sieben Wochen: Die meisten pflanzlichen Sprays brachten bei uns nichts. Was wirklich funktioniert hat: Lange Kleidung abends. Es muss ja kein Pullover sein. Aber eine Leinenhose und ein langärmliges Shirt wirken schon Wunder. Turnschuhe oder Crocs statt Sandalen. Tagsüber die blaue Bioré-Creme oder das DEET-freie Skin Oasis Spray aus dem 7-Eleven. Wir hatten am Ende vielleicht je 10 Mückenstiche. Die meisten am Anfang der Reise, als wir noch unser Anti-Brumm aus der Schweiz nutzen. Das zeigt einmal mehr, das die einheimischen Produkte am besten auf die Mückenart vor Ort abgestimmt sind. Also besser das teure Spray zuhause lassen und sich am ersten Tag eindecken.

Rollerfahren mit Kind: Sei ehrlich zu dir selbst

Ja, auf Koh Samui fahren gefühlt alle Roller. Auch Familien. Wir haben ebenfalls einen gemietet – aber unseren eigenen Kinderhelm aus der Schweiz mitgebracht. Einer der besten Entscheide überhaupt. So wussten wir: der Helm passt wirklich, er hatte garantiert keinen Unfall, und unser Kind akzeptiert ihn.

Aber ganz ehrlich: Zu dritt auf dem Roller sollte man nur fahren, wenn man wirklich Erfahrung hat und sich im thailändischen Verkehr sicher fühlt. Ich habe viel zu viele Familien auf Rollern rumwackeln sehen, das hat mich echt nervös gemacht. Wenn du unsicher bist: Lieber ein Auto mieten oder im Notfall Grab nutzen. Wobei auch da ein wichtiger Reality Check kommt: Kindersitze gibt es praktisch nie. Viele Familien machen deshalb nur kurze Fahrten und nehmen das Kind auf den Schoss. Ideal ist das natürlich nicht – aber oft Realität auf den Inseln.

Fähren waren für uns kein Problem, was das Organisatorische betrifft. Es war echt unterhaltsam, zu sehen, wie die Thais die sicherheitsbedachten Westler umsorgen, und mit Hilfe von Stickern und Megafonen sicherstellen, dass niemand ins falsche Boot steigt. Aber der Wellengang machte unserem Sohn schon sehr zu schaffen. Einer unserer besten Entscheide war deshalb: wenig Ortswechsel. Statt jeden dritten Tag weiterzureisen, blieben wir länger an einem Ort. Mit Kindern macht das nochmals mehr Sinn: weniger Packstress, weniger Reizüberflutung, bessere Schlafroutine.

Unser Sohn durfte seinen Helm noch mit Lieblingsstickern bekleben.

Der 7-Eleven ist überteuert

Ja, 7-Eleven ist in Thailand für Familien tatsächlich extrem praktisch. Es gibt unzählige Snacks (zwar keinen gesunden), Windeln, Medikamente, Quetschies und Klimaanlage (siehe Abschnitt «Temperatur») – aber ehrlicherweise sind die meisten Produkte sehr viel teurer und kleiner, als wenn ihr in den Supercheap oder Lotus’s Go Fresh fährt. Die 7-Eleven-Kette ist auf schnelle Convenience ausgelegt. Wer jeden Tag dort shoppt, gibt viel Geld für Wenig aus – in Bezug auf Mende und Qualität. Für Wocheneinkäufe oder Hygieneartikel besser 5 Minuten weiter fahren.

Im Thailand gibt es über 14’000 7-Eleven Filialen.

Lass das Spielzeug zuhause

Das vielleicht schönste Learning überhaupt. Unser Kind bekam ständig positive Aufmerksamkeit. In Form von Winken, kleinen Gesprächen oder Faxen, aber auch in Bezug auf Geschenke. Allein in den ersten zwei Wochen hat unser Kind zehn Geschenke abgestaubt. Einfach so. In Hotels, Restaurants, Läden – auf der Strasse. Mal was Süsses, mal ein Auto, etwas zum Sändelen, ja sogar ein Kuscheltier.

Fast alle Restaurants haben Spielecken oder sogar ganze Spielplätze.

Die reiche Bescheung hat dazu geführt, dass wir vor unserer Weiterreise unserem Housekeeper ein kleines Geschenkpaket für seine Kinder übergeben durften. Alles hätte nie in den Koffer gepasst. Und vielleicht ist genau das die beste Familien-Erinnerung an Thailand. Nicht der Abend, wo das Kind endlich mal für ein Sonnenuntergangsfoto stillgehalten hat. Sondern die Offenheit und Wertschätzung der Thais für uns Familien. Trotz all unserem Alltagschaos, Ess-Sonderwünschen und nervösen Fragereien an Fährschaltern und in Apotheken.

Larissa Laudadio

Meine ideale Vacation ist die Beachcation. Am glücklichsten bin ich am Wasser, und für mycation erkunde ich die schönsten Meeresdestinationen der Welt.

Diesen Event gibt's nur zweimal im Jahr Frühlingshafte Weinwanderung im Wallis