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Sarajevo. Die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina mit ihren fast dreihunderttausend Einwohnern ist ein echter Geheimtipp. Sie berührt nicht nur mit ihrer schweren Vergangenheit, sondern auch mit ihrem starken Kontrast zwischen dem orientalisch geprägten Osten und dem modernen Westen. Sarajevo ist wirklich einen Besuch wert – und auch für eine alleinreisende Frau kein Problem.

mycation Contributor Nadine reiste nach Sarajevo, und ist begeistert von der Stadt.

Gleich vorneweg: Das Wetter war wirklich nicht auf meiner Seite. Es hat während meines Besuchs in Sarajevo fast nur geregnet. Dafür kann die Stadt aber nichts. Wer sich für Geschichte interessiert, kommt hier voll auf seine Kosten. Drei Ereignisse prägten die Stadt weltweit: das Attentat von Sarajevo vom 28. Juni 1914, bei dem der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand ermordet wurde, die Olympischen Winterspiele von 1984 und der Bosnienkrieg von 1992 bis 1995.
Die Stadt erstreckt sich in der Ebene von Sarajevo inmitten des Dinarischen Gebirges und wird vom Fluss Miljacka durchquert. Die Ebene wird begrenzt von den Bergen der Bjelasnica und des Igman im Südwesten sowie der Jahorina und des Trebevic im Südosten.

Eine geteilte Stadt

Zurück zu meinem Trip: Von meinem Hotel aus bin ich rasch in der Altstadt und erlebe sogleich eine erste Überraschung. Ost und West sind nicht nur kulturell getrennt, sondern tatsächlich auch geografisch – über eine Markierung am Boden.

Klar getrennt: Der orientalische Osten und der moderne Westen.

Im Westen begegnet man modernen Häusern, Einkaufsmeilen, westlich geprägter Mode oder stylischen Cafés. Im Osten findet man sich im Orient wieder – Shishas, Kupfergeschirr, bunte Teppiche und Lampen und unzählige Restaurants, in denen das Landesgericht Cevapi (die Verniedlichung Cevapcici wird in Bosnien und Herzegovina nicht verwendet) mit Lepinja und rohen Zwiebeln serviert wird.
Nach einer Stärkung und ein paar Minuten laufen gelange ich zwischen unzähligen Gässchen mit Souvenirshops hindurch zum zentralen Platz der Bascarisija, wo sich eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Sarajevos, der Sebilj-Brunnen, befindet. Um den Brunnen herum haben sich tausende Tauben versammelt, die es sich angewöhnt haben, sich von den Touristinnen und Touristen füttern zu lassen.

Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der orientalischen Altstadt ist die Gazi-Husrev-Beg-Moschee. Sie eine der ältesten und grössten Moscheen von Bosnien und Herzegowina. Die Moschee kann auch von Innen besichtigt werden, dabei sollten Schultern und Knie bedeckt sein, die Frauen sollen zudem ein Kopftuch tragen. Was mich besonders fasziniert hat, war, dass christliche Kirchen und muslimische Museen dicht nebeneinanderstanden, sich das Glockengeläut der Kirchen mit den Gesängen der Muezzine, welche die Gläubigen fünfmal täglich zum Gebet rufen, vermischte.

Ein Schauplatz der Geschichte

Nach einer kleinen Stärkung mit einer Art Crèmeschnitte (den lokalen Namen habe ich vergessen), mache ich mich auf den Weg in Richtung Fluss, der von der Lateinerbrücke überspannt wird. Sie sieht nicht sehr spektakulär aus, ist weltgeschichtlich dafür umso relevanter. Am Nordende der osmanischen Steinbogenbrücke wurde im Juni 1914 der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand ermordet, was den Ersten Weltkrieg auslöste. Heute erinnern daran eine Infotafel sowie ein Nachbau des Autos, in dem der Erzherzog zusammen mit seiner Ehefrau Sophie erschossen wurde.

Anschliessend mache ich mich auf den Weg den Hügel hoch, aus der Stadt hinaus. Dort oben befindet sich die Gelbe Bastion, die Zuta Tabija. Sie ist ein Überbleibsel der einstigen Wehranlage aus dem 18. Jahrhundert. Die Bastion selbst ist vielleicht keinen Besuch wert – ich trete den Marsch durch den Regen an, weil ich mir einen spektakulären Ausblick erhoffe. Zu Fuss brauche ich ungefähr fünfzehn Minuten. Eigentlich wollte ich ja den Sonnenuntergang von dort oben sehen. Doch daraus wird nichts – Wolken und schwere Tropfen verhindern dieses Highlight. Der Blick über Sarajevo ist dennoch wunderschön. Es gibt bei der Bastion sogar ein kleines Café, zur Aussicht kann man sich Tee oder Kaffee servieren lassen.

Der Ausblick von der Gelben Bastion über Sarajevo. Die Gräber sind den Opfern des Bosnienkrieges gewidmet.

Gruselige Überreste der Olympischen Winterspiele

Der nächste Tag gehört dem Sport. 1984 fanden in Sarajevo die Olympischen Winterspiele statt. Ich kann mich selbst nicht daran erinnern, ich war damals erst vier Jahre alt. Doch ich wuchs mit dem Wissen auf, dass die Spiele einst dort zu Gast gewesen waren. Vielleicht interessieren euch ja die Schweizer Erfolge? Skirennfahrerin Michela Figini holte Gold in der Abfahrt, ihr Kollege Max Julen wurde Olympiasieger im Riesenslalom. Maria Walliser machte mit Silber den Schweizer Doppelsieg in der Abfahrt zur Tatsache, Peter Müller tat es ihr in derselben Disziplin gleich. Bronze holte sich das Team im Viererbob um Rico Freiermuth.
Die Bobrennen fanden auf dem Trebevic statt und die Sportstätten von damals kann man dort noch heute besichtigen. Der Trebevic ist einer der Hausberge Sarajevos. Seit 2018 ist der Berg wieder mit einer Gondel erreichbar. Es geht etwa 600 Höhenmeter nach oben – Achtung, hier ist es ziemlich kühl, also unbedingt eine Jacke oder einen Pulli mitbringen.

Die Bobbahn ist die vielleicht ungewöhnlichste Sehenswürdigkeit der Stadt. Sie ist inzwischen von Graffitis nur so übersät. Man kann der Bobbahn entlang nach unten spazieren. Gerade im Regen ist die Angelegenheit aber auch ein wenig spooky.

Ein katastrophaler Genozid und tiefe Wunden

Mit etwas schwererem Herzen begebe ich mich auf die Spuren der dritten Schicksalsgeschichte Sarajevos: den Bosnienkrieg. Dieser dauerte von 1992 bis 1995 und war ein Konflikt nach dem Zerfall Jugoslawiens. Der Krieg war geprägt von ethnischen Säuberungen, Belagerungen und schweren Kriegsverbrechen, darunter das Massaker von Srebrenica 1995, bei dem mehr als 8000 bosniakische Männer und Jungen ermordet wurden.

Überall in der Stadt sind übrigens rote «Sarajevo-Rosen» zu sehen. Es handelt sich um Einschlagskrater von Granaten aus der Belagerung der Stadt, die später mit rotem Kunstharz ausgefüllt wurden. Die rote Farbe symbolisiert das vergossene Blut der Opfer. Die tragischen Schicksale dieser Kriegsopfer werden im Museum Galerija 11/07/95 festgehalten. Das Museum ist vielmehr ein Mahnmal oder eine Gedenk-Galerie und zeigt eine Foto-Ausstellung rund um den Völkermord. Der Besuch ist auf jeden Fall empfehlenswert, aber auch sehr aufwühlend.

Ich als grosser Geschichtsfans fand das Museum und die Informationen rund um den Krieg besonders spannend. Es ist alles noch gar nicht lange her und ich erinnere mich noch gut an die Schlagzeilen damals in den Zeitungen oder im Fernsehen, auch wenn ich zu jung war, um diese Tragik vollends zu erfassen. Erst heute ist mir bewusst, was für eine Katastrophe das damals war. Die Schicksale dieser Menschen haben mich nachhaltig berührt und bewegt.

Ein Must Do: Bosnischer Kaffee

Zum Abschluss meines dreitägigen Sarajevo-Trips mache ich einen Abstecher zur Kovaci, eine gepflasterte, autofreie Gasse oberhalb der Bascarisija. Sie führt hinauf zur Gelben Bastion und ist in den letzten Jahren für moderne Cafés bekannt geworden. Obwohl ich keinen Kaffee mag, traue ich mich nicht, das Land zu verlassen, ohne wenigstens einmal diesen starken, bosnischen Kaffee probiert zu haben. Dieser wird in einer typischen Kupferkanne serviert und in kleine Mokka-Tassen gefüllt. Dazu gibt es traditionell ein Stück Würfelzucker. Der Kaffee hat in Bosnien und Herzegowina Tradition und das Trinken wir richtiggehend zelebriert. Ich habe es dennoch bei einem Schluck belassen.

Drei Tage haben für mich gut gereicht, um die Stadt zu entdecken und kennenzulernen. Von Zürich aus gibt es übrigens Direktflüge in die bosnische Hauptstadt, in weniger als zwei Stunden Flugzeit ist man am Ziel. Ich bin nur durch Zufall auf Sarajevo als Reiseziel gekommen – und war völlig begeistert von dieser Stadt, in der ich mich als Frau übrigens jederzeit absolut sicher gefühlt habe. Deshalb möchte ich diesen Städtetrip auch euch gerne ans Herz legen.

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