Sommerzeit ist für mich Böötli-Zeit. Ob direkt nach der Arbeit oder am Wochenende, die Schweizer Flüsse bieten etwas, was auch bei vielen Touristen für Begeisterung sorgt. Die grossen Flüsse sind gut zu «bepaddeln» und dank der angenehmen Strömungen eignen sie sich ideal für eine Abkühlung während der Tour. In diesem Artikel findest du einige der schönsten Böötli-Routen der Schweiz, selbstverständlich von der mycation Redaktion getestet.

Sportliche auf die Aare
Route: Wohlensee bis Aarberg
Dauer: ca. 4–5 Stunden
Länge: ca. 18 km
Einstieg: Wohleibrücke bei Hinterkappelen
Ausstieg: Signalisierte Auswasserungsstelle am linken Ufer, kurz vor dem Stauwehr in Aarberg
Besonderheit: Diese Tour eignet sich besonders für geübte Paddlerinnen und Paddler. Auf den längeren Abschnitten auf dem Wohlensee ist nämlich aktives Paddeln gefragt. Ein Teil der Strecke führt durch ein Naturschutzgebiet, in dem das Baden nicht erlaubt ist. Mit etwas Glück lassen sich entlang des Ufers sogar Biberburgen entdecken.
Nach der Überquerung des Sees muss das Boot kurz vor der Staumauer ausgewassert und auf einem kurzen Fussweg bis zur nächsten Einwasserungsstelle getragen werden. Eine zweite, kurze Umtragestelle befindet sich nach rund sieben Kilometern bei Niederried, wo die Aare auf der rechten Uferseite ebenfalls kurz verlassen werden muss.
Sicherheit:
Für das Böötlen auf der Aare gilt: Pro Person muss eine geeignete Auftriebshilfe mitgeführt werden – beispielsweise eine Rettungsweste, ein Rettungsring oder eine zugelassene Auftriebshilfe mit Solltrennstelle.
Nature Lovers auf die Reuss
Route: Bremgarten bis Gebenstorf
Dauer: ca. 4 Stunden
Länge: ca. 26 km
Einstieg: Bei der Einwasserungsstelle oder beim Kraftwerk in Bremgarten
Ausstieg: Gebenstorf, vor der Mündung der Reuss in die Aare oder in der Reussbadi
Besonderheit: Die Strecke von Bremgarten nach Gebenstorf zählt zu den schönsten Böötli-Touren der Deutschschweiz. Sie führt durch eine abwechslungsreiche Flusslandschaft mit bewaldeten Ufern, Kiesbänken und ruhigen Naturabschnitten. Die Reuss ist auf diesem Abschnitt meist ruhig und eignet sich sowohl für Einsteigerinnen und Einsteiger als auch für erfahrene Böötler. Dank der angenehmen Strömung lässt sich die Tour entspannt geniessen, gleichzeitig bleibt genügend Zeit für Badepausen oder ein Picknick am Ufer.
Feierabend-Böötler auf die Limmat
Route: Zürich bis Dietikon
Dauer: ca. 1,5–2,5 Stunden
Länge: ca. 10 km
Einstieg: Wipkingerpark oder unterhalb des Höngger Wehrs
Ausstieg: Glanzenberg Bahnhof oder Dietikon Bahnhof
Besonderheit: Diese Tour ist ideal für alle, die nach Feierabend oder an einem warmen Sommertag spontan aufs Wasser möchten. Die Limmat führt durch grüne Uferlandschaften aus der Stadt hinaus.
Wer bereits im Wipkingerpark einsteigt, muss das Boot beim Höngger Wehr kurz aus dem Wasser nehmen und auf der anderen Seite wieder einsetzen. Alternativ kann die Tour auch direkt unterhalb des Wehrs begonnen werden. Der Ausstieg beim Bahnhof Glanzenberg ist besonders komfortabel, da dort eine offizielle Auswasserungsstelle vorhanden ist. Wer möchte, kann die Fahrt bis nach Dietikon verlängern. Von beiden Ausstiegsorten besteht eine direkte Zugverbindung zurück nach Zürich.

Entdecker:innen auf den Rhein
Stein am Rhein bis Schaffhausen
Dauer: ca. 4–5 Stunden
Länge: ca. 18 km
Einstieg: Stein am Rhein (Rheinbrücke oder Rheinbad)
Ausstieg: Schaffhausen (spätestens vor dem Rheinfall, beim Kanu-Club Schaffhausen oder bei der Campingplatz Rheinwiese)
Besonderheit: Die Strecke von Stein am Rhein nach Schaffhausen beeindruckt mit seinem glasklaren, türkisblauen Wasser und führt vorbei an Uferlandschaften, Weinbergen und historischen Ortschaften. Dank der ruhigen Strömung eignet sich die Route sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Böötler. Unterwegs laden zahlreiche Kiesbänke und Badestellen zu einer erfrischenden Pause ein.
Wichtig ist, die Tour rechtzeitig vor dem Rheinfall zu beenden. Der Ausstieg in Schaffhausen ist gut signalisiert und sollte keinesfalls verpasst werden.
Abenteuerlustige auf die Rhône
Route: Genf bis Le Lignon
Dauer: ca. 2–3 Stunden
Länge: ca. 5,5 km
Einstieg: In Genf bei der Pointe de la Jonction, unterhalb des Zusammenflusses von Rhône und Arve, rechts hinter der Pont Sous-Terr
Ausstieg: Bei Le Lignon an einer geeigneten und gut zugänglichen Uferstelle, an der Fussgängerbrücke Passerelle du Lignon
Besonderheit: Diese abwechslungsreiche Tour führt von der Stadt hinaus in eine überraschend grüne und teilweise naturbelassene Flusslandschaft. Besonders eindrucksvoll ist der Start bei der Pointe de la Jonction, wo das klare Wasser der Rhône auf das trübere Gletscherwasser der Arve trifft. Danach geht es vorbei an bewaldeten Ufern, Felswänden und ruhigen Naturabschnitten in Richtung Le Lignon.
Die Rhône kann eine kräftige Strömung aufweisen und das Wasser ist auch im Sommer vergleichsweise kühl. Die Strecke eignet sich deshalb eher für erfahrene Böötlerinnen und Böötler, die ihr Boot sicher steuern können. Der vorgesehene Ausstieg sollte vor der Fahrt genau festgelegt werden, da nicht alle Uferbereiche problemlos zugänglich sind.
Sicherheit: Eine gut sitzende Rettungsweste ist auf dieser Tour besonders wichtig. Vor der Abfahrt sollten zudem die aktuelle Wasserführung, die Wetterlage und mögliche lokale Einschränkungen geprüft werden. Nach dem Zusammenfluss mit der Arve kann die Wassertemperatur deutlich sinken, weshalb längere Aufenthalte im Wasser vermieden werden sollten.
Sonnenanbeter:innen auf den Ticino
Route: Bellinzona bis Magadino
Dauer: ca. 3–5 Stunden
Länge: ca. 15–20 km (je nach Wasserstand und Ein-/Ausstiegsort)
Einstieg: Bellinzona, unter der Strassenbrücke Via Giuseppe Lepori
Ausstieg: Magadino, kurz vor der Mündung in den Lago Maggiore, Schlipf beim Lido an Landspitze
Besonderheit: Diese Tour versprüht echtes Tessiner Feriengefühl. Der Ticino schlängelt sich durch eine abwechslungsreiche Flusslandschaft mit Kiesbänken, grünen Ufern und einer eindrucksvollen Bergkulisse. An warmen Sommertagen laden zahlreiche Stellen zu einer Badepause oder einem Picknick ein.
Je nach Wasserstand bietet der Fluss sowohl ruhige Abschnitte als auch etwas lebhaftere Strömungen. Deshalb empfiehlt es sich, die aktuellen Bedingungen vor der Tour zu prüfen. Wer die Fahrt bis Magadino fortsetzt, wird mit einem herrlichen Blick auf den Lago Maggiore belohnt.
Böötlibestimmungen in der Schweiz
Damit der Ausflug entspannt und sicher verläuft, lohnt es sich, vor der Tour gut vorbereitet zu sein. Zur Grundausrüstung gehören ein wasserdichter Packsack für Kleidung, Handy und Wertsachen, ausreichend Getränke, Snacks für unterwegs sowie Sonnencreme und eine Sonnenbrille. Wer Musik dabei haben möchte, sollte auf eine spritzwassergeschützte Bluetooth-Box setzen.

Das richtige Gummiboot
Nicht jedes Schlauchboot eignet sich gleich gut für eine Flusstour. Achte beim Kauf darauf, dass das Boot über mindestens drei voneinander getrennte Luftkammern verfügt. Sollte eine Kammer beschädigt werden oder Luft verlieren, sorgen die übrigen Kammern dafür, dass das Boot weiterhin schwimmfähig bleibt und du sicher ans Ufer gelangst.
Qualitativ hochwertige Böötli findest du in Sportfachgeschäften oder im Detailhandel. Gerade bei längeren Touren lohnt es sich, auf ein robustes und gut verarbeitetes Modell zu setzen
Rettungswesten sind Pflicht
Auf Schweizer Gewässern muss für jede Person an Bord eine geeignete Auftriebshilfe mitgeführt werden – beispielsweise eine Rettungsweste. Auch wenn das Tragen nicht auf allen Gewässern gesetzlich vorgeschrieben ist, wird es dringend empfohlen. Gerade auf Flüssen mit starker Strömung oder kaltem Wasser kann eine getragene Rettungsweste im Ernstfall lebensrettend sein.
- Halte dich immer an die maximale Nutzlast deines Böötli. Wird das zulässige Gewicht überschritten, liegt das Boot tiefer im Wasser, lässt sich schlechter steuern und kann schneller kippen.
- Mehrere Boote sollten zudem nicht miteinander verbunden werden. Zusammengebundene Böötli sind kaum noch manövrierfähig und können bei Strömungen oder Hindernissen gefährlich werden.
- Unterschätze auch die Wassertemperatur nicht. Kaltes Wasser kann den Körper schnell auskühlen und Muskelkrämpfe verursachen. Je niedriger die Temperatur ist, desto kürzer sollte der Aufenthalt im Wasser sein.
- Prüfe vor jeder Tour die Wettervorhersage. Bei Gewittergefahr, starkem Wind oder angekündigten Unwettern gehört das Böötli nicht aufs Wasser. Gerade eine Tour auf der Reuss sollte nur bei stabilen und gewitterfreien Bedingungen unternommen werden.
Ein praktischer Tipp: Beschrifte dein Böötli gut sichtbar mit deinem Namen und einer Telefonnummer. Wird ein herrenloses Boot gefunden, können die Einsatzkräfte so schnell abklären, ob tatsächlich ein Notfall vorliegt oder das Boot lediglich abgetrieben ist.




