Die Welt entdecken, neue Kulturen erleben, fremde Tiere bestaunen – das klingt verlockend. Doch nicht jede Aktivität, die nach Abenteuer aussieht, ist auch eine gute Idee. Manche sind verboten, andere ausbeuterisch, viele schlicht respektlos. Wir zeigen dir ein paar Reise-Erlebnisse, auf die du besser verzichtest – und geben dir Alternativen, die nicht nur fairer, sondern oft auch eindrücklicher sind.
Stairway to Heaven und Eisenerzzug: Verboten ist verboten

Die legendäre Haʻikū-Treppe auf Oʻahu (auch bekannt als Stairway to Heaven) lockt mit spektakulären Ausblicken – und saftigen Geldbussen von mehreren hundert Dollar und Gefängnisstrafen. Der Zugang ist seit Jahren offiziell gesperrt. Zum einen aus Sicherheitsgründen (die Treppe ist stark beschädigt), zum andern, weil der Weg über Privatgrundstücke führt. Trotzdem klettern Abenteuerlustige weiter heimlich hoch und versuchen, unterwegs den anwesenden Sicherheitsdiensten zu entwischen. Die Folge: Zerstörung der Natur, fehlender Respekt gegenüber Anwohner:innen und Notfalleinsätze wegen verletzter Touristen.
Auch verboten und vielleicht gerade deswegen immer beliebter: Die Fahrt in den offenen Wagons des Iron Ore Trains, der durch Mauretanien fährt. Fahrten sind gefährlich, gesetzlich nicht erlaubt und in Notfällen kaum abgesichert. Wichtig hier anzumerken: Die Fahrt in den Güterwaggons ist nur für Ausländer illegal – für die Menschen Mauretaniens ist der Zug oft das einzige Transportmittel, weswegen sie ohne Ticket in den Güterwaggons mitfahren. Tourist:innen könnten in den Personenwagen ganz legal mitfahren – aber der ist eben nicht fotogen wie das Selfie vom staubigen Abenteuer auf dem Dach eines Güterzugs. Unterschätzt werden dabei oft die abenteuerliche Anreise und die körperlichen Strapazen während der Fahrt, die bis zu 20 Stunden dauern kann und quer durch die Wüste führt.
Die Alternative
Schau mal, was Emel auf Hawaii erlebt hat. Da sind auch Ideen für Wanderungen drunter – anspruchsvoll, legal und mit genauso schöner Aussicht. Und wer ein Bucket List-Zugerlebnis sucht, das einiges luxuriöser ist, als kann sich hier fünf Varianten anschauen. Hartgesottene wagen sich gar wie Jannina auf ein Zugabenteuer in Indien.
Reiten, Anfüttern und falsche Sanctuaries


Die steilen Treppen in Fira sind für Esel eine Qual – besonders bei Hitze, mit schweren Tourist:innen auf dem Rücken. Zahlreiche Tierschutzorganisationen kritisieren die Haltungsbedingungen der Esel auf Santorini – und nicht nur in Griechenland werden Esel, Maultiere oder Pferde als Transportmittel für faule Tourist:innen missbraucht. Wir bitten dich: Lauf die Treppen selbst oder nimm eine Seilbahn, falls vorhanden.
Ähnliches spielt sich in Asien ab: Hier werden statt Eseln und Pferden mit Elefanten Geld gemacht. Obwohl viele Elefantencamps sich heute als «Rescue Center» oder «Sanctuary» bezeichnen, steckt oft dieselbe Ausbeutung drin – nur hübscher verpackt. Elefanten werden mit brutalen Methoden gezähmt und für Touristenshows gefügig gemacht. Baden mit ihnen, Kunststücke oder Yoga auf dem Elefantenrücken? Bitte nicht. In die gleiche Kategorie gehören Streichelstationen mit Baby-Tigern, Faultiere oder Lemuren. Oft werden die Tiere unter Drogen gesetzt, zu früh von der Mutter getrennt oder in winzigen Käfigen gehalten.

Tiermisshandlungen für den Tourismus finden aber nicht nur an Land statt: In Ländern wie den Philippinen oder Mexiko werden Meerestiere wie Walhaie mit Futter angelockt, damit Tourist:innen sie garantiert sehen können. Klingt praktisch, zerstört aber das natürliche Verhalten der Tiere und kann Krankheiten verbreiten. Die Sonnencreme im Wasser schadet Tieren und Ökosystem auch – und die satt gefressenen Schildkröten verenden in den Schiffsschrauben der plötzlich losfahrenden Touristenschiffe. Wir finden: Tauch- und Schnorcheltouren sind schon okay – aber bitte informiere dich, wo die Touren Halt machen und vermeide Hotspots. Kleinere oder private Anbieter bringen dich nicht nur zu ruhigeren Plätzen, sie sensibilisieren dich auch für den Umweltschutz.
Die Alternative
Lies hier, was mycation Contributor Stephan über das Samui Elephant Kingdom in Thailand zu erzählen hat. Hier dürfen Tiere frei leben, ohne Anfassen und ohne Show. Wie immer aber entscheidest du, was du mit deinem Geld unterstützen möchtest und wo du die Linie ziehst. Mehr Informationen: www.worldanimalprotection.org.
Besuch von Favelas und Townships: Armut ist keine Attraktion

Was als „authentisches Erlebnis“ vermarktet wird, ist oft Voyeurismus mit Selfie-Stick. Favelas in Rio oder Townships in Kapstadt sind reale Wohnorte – keine Kulisse. Wer fotografieren durch Slums oder Townships spaziert, um «das echte Leben zu sehen», trägt oft wenig zum Verständnis bei. Kritik kommt von vielen Seiten – es fehle bei diesen Touren der Nutzen für die lokale Bevölkerung. Wir finden: «Armut gucken» hat nichts mit Respekt oder echtem Interesse zu tun. Frag dich immer: Würde ich wollen, dass jemand das mit mir macht? Wenn die Antwort Nein lautet, ist es vielleicht Zeit, das Reiseprogramm zu ändern.
In eine ähnliche Kategorie fallen leider viele Freiwilligenprojekte in armen Regionen oder Slums. Zahlreiche Reisende sind bemüht, in ihren Ferien etwas zurückzugeben – aber die Realität ist oft bedenklich. Viele Voluntourismus-Projekte haben keine nachhaltige Wirkung oder fügen durch ständigen Helfer:innenwechsel Schaden an. Achtung: Das ist kein Boykott-Aufruf für Volontourism. Die «guten» Anbieter gibt es, aber sie sind möglicherweise nicht auf der ersten Seite von Trip Advisor zu finden.
Die Alternative
Wenn du den Alltag der Menschen kennenlernen willst, übernachte bei lokalen Homestays oder buche Community-geführte Touren. mycation Contributor Stephan hat so die indigene Bevölkerung Taiwans kennengelernt – und Janina wurde in Guatemala zu einer Hochzeit eingeladen.



