Dieses Gefühl kennt wahrscheinlich fast jeder: Das Flugzeug wackelt einmal kurz und plötzlich überlegt man sich, ob Fliegen wirklich so eine gute Idee war. Nach dem Start hört man ein ungewohntes Geräusch. Ein kurzes Luftloch mitten über den Wolken. Oder der Moment, in dem man sich denkt: „Okay… ist das noch normal?“

Flugangst ist viel verbreiteter, als man denkt. Und ehrlich? Selbst als ehemalige Flugbegleiterin habe ich oft gemerkt, wie angespannt manche Passagiere schon beim Boarding waren. Manche ganz still. Manche mit festem Griff um die Armlehne, obwohl wir noch nicht einmal gestartet waren. Genau deshalb haben wir schon früh versucht, die Leute ein bisschen abzuholen. Einfach mit ihnen zu reden, sie auf andere Gedanken zu bringen oder über ihre Reise zu sprechen. Manchmal helfen schon kleine Gespräche oder ein paar einfache Tipps, damit sich jemand sicherer fühlt.
Denn viele Menschen möchten gar keine perfekte Erklärung. Sie möchten einfach das Gefühl haben, dass jemand die Situation im Griff hat.

Deshalb wollte ich mit jemandem sprechen, der wirklich weiss, was da vorne im Cockpit eigentlich passiert: Tom Schneider ist Pilot, Kapitän und Instruktor auf dem Airbus A320 und A350 und beschäftigt sich seit über 15 Jahren intensiv mit dem Thema Flugangst. Seine Überzeugung: „Phobien sind erlernt und können deshalb auch wieder verlernt werden.“
Seine Antwort auf meine Frage, ob Turbulenzen gefährlich sind? „Für viele ist das eine Horrorvorstellung. Sie denken, der Flügel könnte abbrechen oder wir verlieren die Kontrolle. Aber Turbulenzen sind für das Flugzeug nie gefährlich.“ Der Satz, der hängen bleibt: Gefährlich wird’s meistens nur dann, wenn man nicht angeschnallt ist. Also ja – der Sicherheitsgurt ist nicht einfach Deko.
Was Passagiere oft falsch interpretieren
Viele Menschen erschrecken nicht nur wegen Turbulenzen, sondern auch wegen Geräuschen im Flugzeug. Tom meinte: „Nach dem Start wird zum Beispiel nach ungefähr einer Minute manchmal die Triebwerksleistung reduziert. Für viele klingt das plötzlich so, als würde etwas nicht stimmen, dabei ist das ein ganz normaler Vorgang.“
Und genau das ist eigentlich der Schlüssel gegen Flugangst: Verstehen, warum etwas passiert. Denn sobald man weiss, dass viele Geräusche, Bewegungen oder Abläufe völlig normal sind, verliert das Ganze oft schon einen grossen Teil seines Schreckens. Viele Menschen wissen rational, dass Fliegen unglaublich sicher ist und trotzdem reagiert der Körper manchmal komplett anders. Herzklopfen. Schweissige Hände. Dieses Gedankenkarussell das plötzlich losgeht. Und genau darum geht es bei Flugangst oft: Nicht unbedingt um das Fliegen selbst, sondern um den Kontrollverlust.




Wie sicher ist Fliegen wirklich?
Kurz gesagt: In der Luftfahrt wird nichts dem Zufall überlassen.
Für nahezu jede Situation gibt es klare Abläufe, Trainings und Sicherheitskonzepte.
Wusstest du das?
Pilot:innen werden permanent trainiert. Alle sechs Monate absolvieren sie Simulator-Trainings über mehrere Tage – da geht’s um Triebwerksausfällen, Rauch im Cockpit, Hydraulikprobleme und vielen anderen Szenarien, die man sich als Passagier lieber gar nicht vorstellen möchte. Dazu kommen laufende technische Kontrollen und Wartungen der Flugzeuge.
Und vielleicht hilft genau dieser Gedanke: Da vorne sitzen keine Menschen, die einfach „ein bisschen fliegen“ können, sondern die jahrelang dafür ausgebildet wurden und regelmässig auf genau solche Situationen trainieren. Und hinten in der Kabine arbeitet eine Crew, die oft viel schneller merkt, wie es den Passagieren geht, als man denkt. Viele Dinge, die sich während einem Flug unangenehm anfühlen, sind in Wahrheit völlig normal, auch wenn unser Kopf manchmal etwas anderes daraus macht.
Und ehrlich? Flugangst ist nichts Peinliches. Sie ist viel menschlicher, als viele glauben. Aber vielleicht fühlt sich der nächste Wackler jetzt schon ein kleines bisschen weniger schlimm an. In diesem Sinne: Happy Landings!



